Hinweis: Dieser Artikel ist ein zusammenfassender Auszug aus dem Buch "Lasst uns über Werte reden!"


Oder: multidimensionale Wertschöpfung in komplexen soziokulturellen Systemen

Das Intro im Werte-Zitate-Buch bezieht sich auf die in diesem Kapitel beschriebene „Multidimensionale Werteschöpfungsmatrix“ und fasst wie folgt zusammen:

„Werte sind der Missing Link zwischen großen visionären Kräften und den existenziellen Grundbedürfnissen. Systemisch aufgestellt, schaffen sie das notwendige Bewusstsein, um allmählich eine globale Kultur entstehend zu lassen, in der sich vorwiegend friedliche Individuen zu einem harmonischen Ganzen entfalten können. Zu einer facettenreichen Wertegemeinschaft, die unseren Planeten in einen Ort der Vernunft verwandelt.“

Die zugrundeliegende Didaktik resultiert aus der Intuistik. Eine Lehre und Philosophie, die sich der Intuition widmet und diese mit Methodenkompetenz kombiniert – bestenfalls im ausgewogenen Verhältnis 50:50.


Ziele und Zweck

Ermittelte und logisch verankerte Werte geben Orientierung im Leben – besonders auch bei zukünftig zu treffenden Entscheidungen sowie integritätskonformen Beurteilungen von Sachverhalten, Personen (deren Wertesysteme, Muster, Persönlichkeitsmerkmale) und den persönlich zu präferierenden Interessen und Neigungen (Projekte, Jobs, Wohnorte, Umfeld).

Da sich jeder Mensch in seinen Entscheidungen und Handlungen von bestimmten Werten – unbewusst oder bewusst leiten lässt (und deswegen sein Leben in den entsprechenden Bahnen verläuft), ist es sinnvoll, diese Werte zu entdecken bzw. zu bestimmen. Werte sind aber nicht gleich Werte, so sind einige davon intrinsisch und andere extrinsisch motiviert. Intrinsisch bedeutet, dass diese Werte eigenen Idealen und Talenten entspringen; extrinsisch, dass diese Werte von außen (der Gesellschaft, Freunde, Familie, Religion etc.) eingefordert (angereizt) werden. In diesem Fall spricht man dann eher von Tugenden, als von Werten.

Meist besitzt der Mensch mehrere Wertvorstellungen, die jedoch nicht – wie oben angedeutet – eingeordnet und verortet sind.

Ebenso gilt es zu unterscheiden, ob wir 1. die für uns wichtigen Werte auf uns selbst beziehen (wir leben [spenden] sie bestmöglich aus) oder ob wir 2. diese Werte bevorzugt von Anderen einfordern (wir zehren danach [rauben, brauchen, verlangen]).

Um hier Klarheit und Bewusstsein zu schaffen, teilen wir als Zielstellung in nachstehende Erlebniskategorien ein.

Diese Bereiche des Wahrnehmens, Segmentierens, Erlebens sind eingeteilt in 

  • KOPF: Denken, Ratio, Strategie, Planung, Taktung, Sachstand, Bewertung, Urteil
  • HERZ: Fühlen, Wollen, Emotion, Spüren, Interagieren, Stimmung
  • BAUCH: Sein, (plötzliches) Wissen, Entscheiden, Wünschen, Ahnen, Erinnern

Die in diesem Kapitel folgenden Schaubilder sollen dies verdeutlichen, zuordnen und diese drei stark verbundene Erlebenszustände und -ebenen einfassen.

Anmerkung: siehe auch das KOHEBA-Wertemodell


Missing Link

Spezifische Werte und persönliche Wertesysteme stellen grundlegend die Kodifizierung von stark bewegenden (berührenden), aber nebulös zu beschreibenden Motiven dar. Besonders in konkreter Verbindung zur persönlichen Vision, Mission und einem großen Ziel.

Ein Wertesysteme könnte man als sogenannten „Missing Link“[1] bezeichnen, da es eine Brücke zwischen den existentiellen Bedürfnissen und Motiven einzelner Personen und den Aspekten von Entfaltung und Wertschöpfung bilden. Auch die unternehmerischen Gelüste a la „Let´s make us great“ können auf diese Weise mit den grundlegenden Motiven abgeglichen und in Einklang gebracht werden.


Multidimensionale Wertschöpfungsmatrix

Oder: Vision meets Grundbedürfnisse

Die nachstehende Grafik besteht aus 2 Dreiecken, welche symmetrisch ineinandergeschoben wurden. Das hochkant stehende Dreieck ist eine wertesystemische Weiterentwicklung der bekannten Pyramide: „Maslowsche Bedürfnishierarchie“. Das umgekehrte (von oben eingeschobene) Dreieck stellt das aus philosophischen Management-Systemen bekannte Geflecht aus „Vision, Mission Goals“ dar.

Vision

Jeder Mensch lebt bewusst oder auch unbewusst in verschiedenen Rollen. Einige davon werden zugewiesen, viele sind jedoch selbstbestimmt oder liegen in der Natur einer Beziehungsebene. Hier einige Beispiele:

  • Talente: selten von der Person selbst wertgeschätzte Potentiale, welche in einer individuellen Rolle münden können, wenn hier Förderung und Forderung stattfindet
  • Beruf: im jeweiligen Job, 
  • Freundschaft
  • Familie
  • Bürger, Erdenbewohner etc.

Für jede wichtige Rolle im Leben sollte man eine „Vision“ (Vorstellung der Zukunft, so, wie sie sein sollte) formulieren. 

Diese Vision resultiert

  1. aus den bereits in der frühen Kindheit angelegten Basis-Interessen (Grundmotiven und -bedürfnisse; siehe Münzen-Prinzip; hier „Material“) und
  2. den rollenspezifischen Anforderungen (siehe Münzen-Prinzip; hier „Prägung“), die je nach Kultur unterschiedlich geprägt sind.

Hinweis: Verortung der Vision im KOHEBA-Wertemodell: BA (Bauch, Intuition)

Mission

Aus der Vision resultiert eine Mission (siehe Definition „Mission“ im „Das große Buch der Werte“ auf Seite 118), die entweder von der Person selbst aufgestellt wird oder einem motivierenden, wertebasierenden Ruf folgt. Eine Mission kann daher auch als ehrenvoller Auftrag bezeichnet werden.

Hinweis: Verortung der Mission im KOHEBA-Wertemodell: HE (Herz, Emotion)

Goals

Aus der Mission ergeben sich Goals. Hier wird es konkret. Das bedeutet, dass unser Verstand aufgefordert wird, all seine Denkprozesse auf ein messbares Ergebnis auszurichten. Hier verweise ich auf mein bereits 2003 veröffentlichtes Buch „Spielend zum Ziel“. Dort ist dieser wichtige Aspekt sehr ausführlich beschrieben.

Statt Ziele verwend ich gerne den Begriff „Goals“, da dieser treffender beschreibt, um was es geht: Ein Ziel so zu formulieren, als ob es schon geschehen ist. Im Gegensatz dazu wird das deutsche Wort Ziel meist als Target verstanden, was ein „anvisiertes“ Ziel ist. Und dabei bleibt es dann meist auch: Das Ziel wird ständig anvisiert, anstatt die Vorstellungskraft zu nutzen und sich das Szenario auszumalen, wie es wäre, wenn das Ziel tatsächlich erreicht ist. Der Unterschied ist gravierend, denn unsere Denk- und Handlungsweise lernt bei einem „Target“ eher das Rechtfertigen, warum etwas nicht funktioniert. Bei einem „Goal“ richten wir Denk- und Handlungsmuster rationell und emotional, auf ein wirkliches „Erreichen wollen“ aus.

Ein Kunstgriff ist, wenn die verschiedenen rollenspezifischen Goals zusammengefasst werden können. Diesen Kunstgriff kann man über konkrete Wertearbeit (siehe Abschnitt "Missing Link") herstellen.

Hinweis: Verortung der Goals im KOHEBA-Wertemodell: KO (Kopf, Ratio)


Systemisch versus Symmetrisch

Seit der Akademisierung anhand von Lehrbüchern und Stellenbeschreibungen, versucht der Mensch möglichst alles zu systematisieren. Es muss schnell, effizient, skalierbar und kontrollierbar sein. In vielen Fällen ist das sehr nützlich, vor allem, wenn es um das Automatisieren von mühsamer Arbeit oder komplexen Prozessen geht, die entweder keinen Spaß machen oder ansonsten unmöglich wären.

Ein System ist beispielsweise ein Rezept, eine Partitur, eine Checkliste, eine Anleitung, Verfahrensweise oder Programm. Es ist i. d. R. stringenter, linearer Natur. Was dabei vergessen wurde – beziehungsweise unter die „Räder“ kam – ist, dass der Mensch in Bezug auf seine eigenen Wertvorstellungen und Idealen keine stringente Maschine ist und auch keine sein will. Vielmehr ist er ein symmetrisches[2] Konstrukt, das aus drei lebenden Entitäten[3] besteht, welche kreisförmig angeordnet und gleichbedeutend sind.

Stringente Systeme sind zweidimensional und nur für den rationellen Verstand von Nutzen. Sobald Emotionen ins Spiel kommen, wird das System zum Feind, da es die individuellen Entfaltungsspielräume angreift. Diesen Spielraum könnte man auch beschreiben als einen „mehrdimensionalen Raum, zum

  1. Entdecken von Optionen,
  2. dem selbst Entscheiden und
  3. dem erlebenden Ausleben gewählter Optionen“.

Und noch etwas ist wichtig: Stringente Systeme sind nicht agil* – nur symmetrische Konstrukte könne agil sein, wenn sie mit entsprechenden Gelenken (multipel flexible Anker) ausgestattet sind.

* Mit Hinweis auf das „Agile Management“

Logik der intrinsischen Motivation

Im Schaubild (kreisförmige Skizze von KO/HE/BA) sehen wir die gegenseitigen Motivationen.

Die "Menschliche Trisymmetrik" (Kopf, Herz, Bauch oder Ratio, Emotion, Intuition)
Die "Menschliche Trisymmetrik" (Kopf, Herz, Bauch oder Ratio, Emotion, Intuition)

Das systemische Einordnen von Motiven (siehe Reiss-Profile) und Zuordnen von Werten ist grundlegend problematisch und meist theoretischer Natur. Auch das sogenannte „Systemische Coaching“ ist veraltet und deswegen nicht optimal. Die heutigen bewussten Erwartungen und unbewussten Erwartungshaltungen vieler Menschen benötigen neue Modelle, die agiler und multipler sein sollten. 

Der Mensch ist nur organisch (körperlich) gesehen ein System. Nicht so sein Selbst, seine Wesensart, welche das „Individuum*“ charakterisiert – also ein autonomes, regulatives „Nichtsystem“.

* Individuum: Einzelwesen, der einzelne Mensch, aus mittellateinisch „indīviduum“ = „Einzelding, „Einzelwesen“; ist die substantivierte neutrale Form des Adjektivs „indīviduus“ = „ungetrennt bleibend, ungeteilt, unzertrennt, unteilbar“; siehe auch „dividieren“ und die griechische Übersetzung „átomos“ = „unteilbar“, auch „Atom“

Die Menschliche Trisymmetrik

Das System, das alle Menschen gleichermaßen besitzen, ist die Kombination aus Verstand (Ratio, Gedanken), Gefühlen (Emotionen) und Intuition (unmittelbares Wissen). Dieses System ist nicht stringent (linear), sondern zirkulär[4]. Ein Dreifachsystem, das besser als Dreifachsymmetrik bezeichnet werden kann, da diese drei Parameter gleichermaßen Bedeutung haben und lediglich bestimmten logischen Wirkmechanismen entsprechen.

Ich habe dieses „menschliche Basis-System des intellektuellen Daseins“ deshalb MENSCHLICHE TRISYMMETRIK (M3S) genannt. Sie stellt ein anwendbares Konzept dar, das dem doch eher nebulösen Konzept „Körper, Seele, Geist“ keine Konkurrenz machen soll. Vielmehr, um die Herausforderungen des neuzeitlich denkenden Menschen aufzugreifen und Perspektiven zur freien Entfaltung anzubieten.

Diese drei Entitäten stellen fragmentierte Daseinsformen dar und beeinflussen sich gegenseitig auf mehrfach Weise. Hier eine Variante der Möglichkeiten der Darstellung:

In der Grafik sehen wir die Summen „Flow, Leistung und Harmonie“. Diese entstehen jeweils aus dem Zusammenwirken von 2 Entitäten. So gibt es folgende Kombinationen:

  • BA + KO = Flow 
    = es läuft perfekt und maximal effizient; reibungslos, hoher Wirkungsgrad
  • KO + HE = Leistung 
    = der Energieaufwand, kombiniert mit Konzentration und Denken, erzeugt eine hohe Effektivität (Wirksamkeit)
  • HE + BA = Harmonie 
    = es entsteht eine Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit, die mit den intrinsischen Werten in Übereinstimmung ist

Im Zentrum erhalten wir das Produkt der drei Multiplikatoren Flow, Leistung und Harmonie, das wir gerne Schöpferkraft oder Produktivität nennen können. Hier findet die Ausgewogenheit zwischen Amplituden, Frequenzen und Intervallen statt.

Bewusst habe ich auf eine konkrete Beschriftung des Zentrums verzichtet, da es nicht wichtig ist, um wirksame Wertearbeit zu praktizieren. Wer mag, kann sich das selbst ausmalen und interpretieren.

Wichtig zu wissen ist, dass Effizienz, Effektivität und Sinnhaftigkeit nur durch das hier skizzierte dynamische Zusammenspiel von Kopf, Herz und Bauch (KO, HE, BA) entstehen kann.

Jeder Mensch besitzt diese drei Elemente des Daseins und Wirkens:

  • Ratio
    = Verstand, Gedanken, Stringenz
    = bestmöglicher Fall: Vernunft
  • Emotionen
    = Gefühle, Stimmungen, Turbulenzen
    = höchstmöglicher Fall: Leidenschaft 
  • Intuition
    = inneres Wissen, intrinsisches Wollen
    = idealer Fall: Absicht

Diese drei Formen der Identität interagieren untereinander. Im optimalen Fall gibt es eine logische und zirkulierende Hierarchie: 

1. Intuition, 2. Emotion, 3. Verstand

Es zirkuliert zunächst entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn (Absicht initiiert Ergebnis); dann folgt die Rückkopplung in umgekehrter Zirkulation. Wenn auf diese Weise alles zirkuliert, findet folgender Prozess (Wertschöpfung) statt:

  • Aktivierung:
    INTUITION: Entscheidet >> EMOTION: bewegt >> VERSTAND: führt aus >> …
  • Rückkopplung:
    VERSTAND: läuft/läuft nicht >> EMOTION: bewegt >> INTUITION: ruht/entscheidet neu

Wir sehen, dass Kopf und Bauch keine direkte Kommunikation haben und brauchen. Kopf und Bauch interagieren, indem Bauch den Kopf über Herz ausschaltet (den Bedenkenträger, Rechtfertiger) – oder besser einschaltet (Intelligenz, denkende Klugheit, die Problemlösungsmaschine), um das zu tun, was aus Gründen von Stimmigkeit (Werte in Übereinstimmung mit Zweck und Sinn) getan werden muss. Sodann entsteht der Flowzustand, in dem sich das Zeitgefühl auflöst bzw. anpasst.

Und das Beste kommt zum Schluss: Wenn alle drei „Geschwister“ rund laufen, aktiviert sich der Beobachter (Wesen, SELBST 2)[5] und es entsteht ein neues Bewusstsein der Gelassenheit – egal, ob es gemäß Rückkopplung des Verstandes läuft oder nicht läuft. Der Beobachter vertraut der Intuition, da sie immer die richtige Entscheidung trifft, die dazu führt, dass – sogar bei physisch katastrophaler Lage – langfristig gute Lösungen gefunden werden. In etwa kann dieses Prinzip durch die Heuristik, die Hermetik und andere elementaren Prinzipien interpretiert werden. In der Intuistik® wird dieses Modell (M3T) ausführlich behandelt und beschrieben.

Hinweis: Auch verweise ich auf das tabellarische Schaubild vom „KOHEBA-Wertemodell“ (siehe unten), welches auf der hier beschriebenen Trisymmetrik aufgebaut ist.

Das KOHEBA-Wertemodell

Es gibt viele Wertemodelle[6], die von mehr oder weniger ernst zu nehmenden Forschern entwickelt wurden. Diese Modelle halfen bei der Diskussion über Werte innerhalb intellektueller Kreise. Leider konnte keiner dieser Modelle, der Gemeinschaft, geschweige denn einer Vielzahl von Menschen, konkrete Unterstützung bieten. Dagegen haben sich die auf motivbasierten „Reiss-Profile“[7] einer breiten Öffentlichkeit gezeigt und werden im Management und Sport angewendet. Allerdings sollte man sie nicht als Werte-Modell bezeichnen, da sie sich vernehmlich mit Motiven beschäftigen. Vielleicht sind sie auch deswegen umstritten. Immerhin geben sie eine grobe Orientierung, was allemal besser ist, als gar keine Orientierung zu haben.

Mit der Entdeckung, dass ein individuelles und gut abgestimmtes Wertesystem der Missing-Link[1] zwischen Motiven und der persönlichen Mission ist, wurde mir klar, dass die Reiss-Profile annäherungsweise ein praktisches Modell darstellen. Dennoch sollten die Begrifflichkeiten vereinzelt diskutiert werden, da es einige Unschärfen bei der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche gibt, sowohl sprachlicher als auch soziokultureller Natur.

Einen einfachen Werte-Ermittlungs-Test zu entwickeln, war lange Zeit gescheitert. Bis zu dem Tag, an dem ich während einer Coaching-Sitzung eine intuitive Idee hatte. Ich schlug einem Klienten vor, seine Werte wahllos aber gleichmäßig verteilt auf ein querliegendes Blatt Papier zu schreiben – ohne Konzept, ohne zu denken, und komplett „frei nach Schnautze“. Welche Begriffe das sind, sei egal, wir würden das dann später gemeinsam analysieren und die Assoziationen, Intentionen und Implikationen herausfinden. Demnach können es gerne auch Symbole oder Zeichnungen sein. Im Flow der Erklärungen dieser Aufgabe kam mir die nächste Idee: er solle das wiederholen, aber an einem anderen Tag, zu einer anderen Tageszeit und in einem anderen Wachzustand (Biorhythmus). Er soll zwar erneut das Gleiche tun, aber so, als ob er es nie zuvor getan hat. Mein Glück war, dass es ein für dieses Experiment passender Klient war, der mir vertraute und sich deswegen keine großen Gedanken über die Sinnhaftigkeit dieser Aufgabe machte.

Gesagt, getan. Beim nächsten Termin legte er mir die zwei Blätter hin und meinte, es wäre keine leichte Aufgabe gewesen, da er keine Liste mit Werten gefunden hatte und sich deswegen einige Gedanken machen musste.

Ich wertete beide Blätter vor seinen immer größer werdenden Augen aus und präsentierte ihm als Ergebnis sein persönliches Wertesystem, das nach der Logik der „menschlichen Trisymmetrik“ und dem somit erfunden KOHEBA-Wertemodell aufgebaut ist. Ebenso habe ich die Aspekte des me:in-Prinzips aus der Intuistik inkludiert.

Das Ergebnis sieht so aus:

Handschriftliche Auswertung in einer Wertematrix
Handschriftliche Auswertung in einer Wertematrix

Der Klient staunte nicht schlecht, denn es fühlte sich für ihn stimmig an. Stimmiger, als alle anderen Aussagen von Persönlichkeitstest & Co. welche er schon zuhauf gemacht hatte.

Nun hatten wir Orientierung und den wahren Charakter identifiziert, um fortan konkret nach Optionen zu suchen, wie und warum er sich auf die Suche nach einem „Was“ und „Wo“ machen konnte.

Im Nachgang gab es bahnbrechende Veränderungen, die sich fast zufällig ergaben. Wir achteten fortan auf Stimmigkeiten und nicht auf Richtigkeiten. Und so wurde für ihn alles stimmig und wesentlich erfolgreicher als jemals zuvor. Denn nur Stimmigkeit schafft Effizienz. Und Effizienz beflügelt Wirksamkeit (Effektivität).

Seither habe ich dieses Tool natürlich vielfach eingesetzt, um Menschen Orientierung und Klarheit im Leben zu geben. Es funktionierte in jedem Fall, auch wenn es ab und an nur bestätigt, was auch vorher schon klar war (Stabilisierung). 

Wie diese Methode der Werte-Ermittlung genau funktioniert, würde in dieser Publikation den Rahmen sprengen. Zumal an diesem Punkt die Intuition auf eine Weise „wirkt“, dass dies mit Worten nur schwer erklärbar ist. Es gehört offensichtlich in die Kategorie, „Bitte nur erleben und nicht erklären (verklären)!“

Hinweis: Selbstverständlich ist diese einfache, preiswerte und wirksame Methode ein fester Bestandteil der Ausbildung zum Werte-Coach und kann von den meisten Absolventen angewendet werden, sofern sie ihrer Intuition mindestens ebenso (in gleichem Maße) vertrauen (können), wie ihrem rationellen Verstand.

Darstellung des KOHEBA-Wertemodells

Das KOHEBA-Wertemodell (Version 2020) mit Zuordnung der verschiedenen Aspekte
Das KOHEBA-Wertemodell (Version 2020)

Die 4 Grundmotive jedes Unternehmens

Innerhalb von marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen gibt es vielschichtige unterschiedliche Bewertungen von „Werten“ je nach Mandat, Position und Rolle. Daraus resultieren Erwartungen und Wertvorstellungen, die immer spezifisch implizierender Natur sind. 

Siehe weitere Beschreibung im Artikel "Wertekategorien".


Das Münzen-Prinzip

Eine Münze[8] ist ein rundes, zweiseitig geprägtes Stück Metall in Form eines meist dünnen, großen Knopfes, dem ein bestimmter Wert zugeschrieben wird, der heute meist nur durch die Prägung gemessen (bewertet) wird. Eine Münze ist somit „dual“[9] und „polar“[10].

Metaphorische Ableitung 1: Die 2 Seiten einer Münze

Eine Münze hat zwei Seiten, von denen gegenwärtig immer nur eine gesehen werden kann. Das Prinzip beinhaltet die These, dass alles eine zweite Seite besitzt und nur beide Seiten zusammen ein vollständiges Etwas sind.

Dieses Prinzip wird entweder als Dualität (ergänzende Wechselwirkung) oder Polarität (Oppositionen; Gegensätze) bezeichnet.

Somit werden Philosophie und Logik der wechselseitigen Wirkungsweise zwischen scheinbaren Gegensätzlichkeiten aufgezeigt. Die Dualität beschreibt eher das „große Ganze“, das gemeinsame Ergebnis aus beiden Seiten (Aspekten). Die Polarität konzentriert sich auf die Gegensätze, die sich wechselseitig aufreiben können (oppositionelles Denken, Handeln, Bewerten, Einordnen, Ausschließen). 

Die beiden unterschiedlichen Betrachtungen können zum Beispiel bei Werten (Kontrolle / Vertrauen; Sicherheit / Freiheit), bei Beziehungen (Mann / Frau; Chef / Mitarbeiter; Eltern / Kinder) oder im Leben (Arbeit / Privates) beobachtet werden.

Metaphorische Ableitung 2: Prägung versus Material

Der Wert einer Münze kann sowohl von der Prägung als auch vom Material abhängen. 

Das Material ist zwar formbar, besteht aber aus ganz bestimmten Elementarteilchen (Molekularstrukturen), die nicht änderbar, sondern nur neu kombinierbar sind.

Die Prägung ist die Gestaltung der sichtbaren Oberfläche: das, was deutlich zu sehen ist und im Allgemeinen bevorzugt in Bewertungen der Münze (Person) einfließt. Die Prägung ist zwar relativ fest, aber vollständig änderbar.

Übertragen auf die menschlichen Eigenschaften und Wesenszüge ordnen wir wie folgt zu:

Material:

  • Veranlagungen
  • Potentiale
  • Talente
  • Grundmotive, innere Haltung
  • Lustfaktoren
  • Gene
  • Meme (siehe Definition „Memetik“)
  • intrinsische Werte

Prägung:

  • Konditionierung
  • Gedankenstrukturen
  • Vorurteile
  • Verhaltensmuster (äußere Haltung)
  • Aussehen
  • Grundwerte
  • extrinsische Werte

Die Kombination aus Material und Prägung (ganze Münze = ganzer Mensch):

  • Persönlichkeitsmerkmale
  • persönlich motiviertes Wertesystem (insbesondere in der Kindheit)
  • gesamte charakterliche Erscheinung (Aura, Charisma, Ausstrahlung)

Idee und Nutzung

Das Ziel dieser Betrachtung ist, Konsens und Balance herzustellen. 

Ausgeglichenheit, Fairness, Respekt, Orientierung etc.

In vielen Konflikten wohnt mindestens eine Polarität. Wenn die beiden Pole der jeweiligen Polarität identifiziert werden und sodann als Dualität beschrieben werden können, löst sich der Konflikt auf.

Weiterhin sollte jeweils die Prägung und das Material eines Menschen identifiziert und differenziert werden (siehe oben).

Das Prinzip kann auch auf Gruppen (die aus Parteien bestehen) angewendet werden.


Mentalität


Disruption

Disruption ist dann wertvoll, wenn das Motiv dieser Disruption das Ziel hat – bzw. bei anderen aktiviert – etwas Großartiges und Wertvolles zu schaffen bzw. zu unterstützen.


Die „Optionalität“

Optionalität ist in Bezug auf Vorstellungskraft, ein bewusst hervorgerufener Zustand, bei dem besonders viele Optionen gedanklich eröffnet werden. Diese Optionen werden in bestimmte logische Kategorien eingeteilt (aufgefächert), um anschließend abgeglichen zu werden. Es entstehen „Spielräume“ mit konkreten Wahlmöglichkeiten.

Menschen, die weitläufig als Querdenker bezeichnet werden, besitzen die Kompetenz, in Optionen zu denken. Querdenken ist demnach die Fähigkeit, assoziativ[11] zu denken und dabei möglichst viele Optionen zu entdecken, anschließend auszuloten und bestmöglich zu verknüpfen.

Um Probleme optimal zu lösen oder Herausforderungen effizient meisten zu können, ist optionales Denken sehr förderlich.

Optionales Denken löst rationalen Optimismus aus und kann trainiert werden.


Fußnoten

[1] Missing Link (englisch) = „fehlendes Bindeglied“. Ein Begriff, der in der retrospektiven Evolutionswissenschaft (z. B. Paläontologie) Verwendung findet. Ein Missing Link ist dort z. B. eine noch unentdeckte Übergangsform zwischen entwicklungsgeschichtlichen Vor- und Nachfahren, welche durch entsprechende fossile Funde belegt werden kann. Ein verbindender Fund wird sodann auch „Connecting Link“ (Bindeglied) genannt, sofern er sowohl Merkmale der älteren als auch der jüngeren Form aufweist. Der Begriff wurde in der Intuistik entlehnt, um fehlende „Verbindungsstücke“ einer didaktischen Wertschöpfungungskette zu identifizieren, welche sich darauf konzentrieren logische Abläufe auf mehrfach interdisziplinären Ebenen zu optimieren.

[2] Symmetrie: „Ebenmaß, spiegelbildliche Gleichheit“; aus lateinisch „symmetria“ (16. Jh.) und griechisch „symmetría“ = „Eben-, Gleichmaß, richtiges Verhältnis“; zu griechisch „sýmmetros“ = „gemeinschaftliches Maß habend, im Maß zueinander passend, angemessen, verhältnis-, gleichmäßig“. Siehe auch griechisch „métron“ = „das rechte, volle Maß, Ziel, Länge, Größe, Silben- oder Versmaß“. Siehe auch „Metrum“: Dem Gebrauch des römischen Baumeisters Vitruv folgend, Ausdruck der bildenden Kunst, besonders der Architektur im Sinne einer „harmonischen Übereinstimmung der einzelnen Teile eines Ganzen“, dann der „gleichmäßigen, harmonischen Anordnung zweier oder mehrerer Gegenstände oder Teile im Hinblick auf eine (gedachte) gemeinsame Mittellinie, spiegelbildliche Deckungsgleichheit“ (18. Jh.). In neuerer Zeit übertragen für „Gleichgewicht, Ausgleich“. „symmetrisch“ (Adj.) = „ebenmäßig, in gleichförmiger Anordnung stehend, ausgewogen, proportioniert, harmonisch, spiegelgleich“.

[3] Entität (aus mittellateinisch „entitas“ = „seiend“): „Wesenheit, Seinscharakter, Identität stiftendes Element; in der Philosophie ein Grundbegriff der Ontologie, der u. a. das bezeichnet, was existiert, etwas Seiendes, einen konkreten oder abstrakten Gegenstand mit einer daseinsbehafteten Identität.

[4] zirkulär: kreisförmig rundlaufend

[5] SELBST 2: Hier greife ich das Prinzip des Dialogs zwischen SELBST 1 und SELBST 2 von Timothy Gallwey auf, das er im Buch „„INNER GAME COACHING: Warum Erfahrungen der beste Lehrmeister sind“ wunderbar beschreibt. Siehe Literaturempfehlung https://www.sauercoaching.de/gut-zu-wissen/glossar/timothy-gallwey/

[7] Reiss-Profile: Der Psychologe Steven Reiss ist Begründer der „Reiss Motivation Profile®“; siehe https://www.wertesysteme.de/nuetzliche-infos/werte-modelle/reiss-profile/

[8] Das Wort Münze stammt von lateinisch „Moneta“ ab, das der römischen Göttin der Geburt, Ehe und Fürsorge „Juno“ (die Mahnerin) – Gattin von Jupiter – zugeordnet ist. Moneta bedeutet Mahnung, Erinnerung und wird sinnverwandt (abgeleitet) für die ersten metallischen Geldstücke verwendet.

[9] dual = aus lateinisch „duâlis“ (Adjektiv): „von zweien“, „zwei enthaltend"

[10] polar = aus griechisch „pélesthai“ und „pélein“ = „in Bewegung sein, sich regen, bewegen, werden, stattfinden“; übergeleitet in „Polarität“ (um 1800) = „Vorhandensein zweier Pole, Gegensätzlichkeit“

[11] assoziieren = „sich zusammenschließen, verbinden“, entlehnt (Mitte 16. Jh.) aus französisch „associer“, das lateinisch „associāre“ = „vereinigen, verbinden“, eigentlich „beigesellen“, zugrunde liegt. Nach dem Vorbild von englisch „to associate“ verwendet die Psychologie (20. Jh.) auch „Vorstellungen mit etwas verknüpfen, zu einem Bewusstseinsinhalt einen anderen spontan reproduzieren“. Substantiv „Assoziation“ = „Verbindung, Zusammenschluss“ (Anfang 17. Jh.), aus englisch „association“ = „Verbindung von Vorstellungen“ („ideas“: Locke 1690); in der sog. Assoziationspsychologie „Verbindung von Bewusstseinsinhalten“; später deutsch „Assoziierung“ = „vertraglicher Zusammenschluss“ (2. Hälfte 18. Jh.).


Letzte Bearbeitung am 27. Juli 2020

Autor: Frank H. Sauer (aus dem Buch "Lasst uns über Werte reden!")

Eine komplette Liste aller Werte (Wertvorstellungen)
Zur Liste aller Werte