Talent

Synonyme

Wortformen: talentiert, talentvoll

Anlage, Gabe, Begabung, Vermögen, Fähigkeit, Veranlagung, Potential (Potenzial)

Ähnlich: Geschicklichkeit, Fertigkeit, Eignung

Steigerung: Hochbegabung, Inselbegabung, Genie

Antonyme: Unvermögen, Handicap, untalentiert, unfähig

Englisch: talent, knack (Gabe), aptitude (Begabnung, Eignung), prowess (Fähigkeit)

Herkunft

Der Begriff Talent wurde aus lateinisch „talentum“ und griechisch „tálanton“ (Plural: „tálanta“ = „Geldsumme, Goldgewicht“ (ursprünglich: „Waage, Waagschalen“) auf den Menschen übertragen: zunächst im 16. Jh. in „Mensch, der Talent (Geldsumme) hat“ und später (18. Jh.) in „besondere Begabung, spezifische Fähigkeit“.

Anmerkung: Die mit Paracelsus im 16. Jh. einsetzende übertragene Verwendung beruht auf allegorischer Auslegung des biblischen Gleichnisses vom zinsbringend anzulegenden Gelde (griechisch „tálanta“, Matth. 25, 14ff., Luther: „Zentner“), das als „von Gott verliehene Gabe des Verstandes bzw. Geistes“ gedeutet wird.

Definition

  1. Fähigkeit oder Vermögen, auf einem bestimmten Gebiet etwas zu leisten, wozu nicht jedermann in der Lage ist
  2. Bezeichnung für eine Person mit einer Begabung auf einem bestimmten Gebiet

Beschreibung

Ein Talent ist eine von der Natur (früher Gott) gegebene physische oder geistige Eigenschaft, die für besondere (herausragende) Leistungen genutzt werden kann. Meist ist sie von Geburt an als Veranlagung (Potential) vorhanden.

Talente sind demnach das ureigene Potential eines Menschen, welches entdeckt und wohl dosiert in die Rolle des Daseins und der Lebensaufgabe überführt (ausgelebt) werden sollte, um bestmöglich sowie ohne überhöhte Anstrengung erfolgreich zu sein.

Talente sind sehr oft mit bestimmten Motiven und damit auch mit Wertvorstellungen verbunden. 

Nicht immer treten Talente eines Menschen in Erscheinung, da sie ein entsprechendes Umfeld oder Nährboden benötigen, um sich erst dann entfalten und wachsen zu können sowie in Folge Wertschöpfung betreiben.

Talentförderung ist ein oft gebrauchter Begriff, der jedoch besser in folgende prozessuale Schritte gegliedert werden sollte:

  1. Talent-Entdeckung (Sichtung, Auslotung)
  2. Talent-Benennung (Beschreibung, resultierende Optionen bilden)
  3. Talent-Nutzung (Einsatz im Alltag, Wahl des richtigen Jobs etc.) 
  4. Talent-Bewahrung (Begeisterung, Produktivität im Talentbereich, Publizieren etc.)

Ein Talent benötig ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit. So ist es nützlich (und meist auch gegeben), wenn die Interessen einer Person im Bereich der eigenen Talente liegen. Idealerweise liegt eine Begeisterung für dieses Gebiet vor. Besonders junge Menschen soll man deswegen in ihren Interessen unterstützen, auch wenn diese nicht den Interessen der Eltern, Lehrer, Ausbilder oder Mentoren entsprechen.

Ein Talent einer Person genießt meist wenig Wertschätzung durch die Person selbst, da das Talent ohne Anstrengung und Fleiß erworben wurde. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass in unserer Leistungsgesellschaft besonders das Anerkennung findet, was durch Fleiß, Disziplin und viel Aufwand erzeugt wird. Ein Talent benötigt jedoch lediglich Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, um sich zu zeigen und zu entfalten.

Ein Talent erkannt man daran, dass eine Person auf einem bestimmten Gebiet vergleichsweise schnell Fortschritte macht und ein überdurchschnittliches Leistungsniveau erreichen kann.

Viele Talente haben ihren Ursprung in genetischen Veranlagungen. Einige Talenten können aber auch durch frühkindlich begünstigte Entwicklungen entstehen.

Beispiele und Bereiche von Talenten

  • physiologisch, sportliche Fähigkeiten (Schnellkraft, Ausdauer, Reaktionsvermögen, Bewegung etc.)
  • durch Anatomie bedingte Fähigkeiten (Körpergröße, Gewicht etc.)
  • geistige Fähigkeiten (Mathematik, Gedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen etc.)
  • künstlerische Fähigkeiten (Ausdruck, Präsenz, kreatives Assoziieren, Schreiben von Geschichten, Entertainment etc.)
  • Handwerkliche Geschicklichkeit
  • Sprache (sprachlich präziser Ausdruck, Vielsprachigkeit)
  • Organisation (strukturiertes Denken, Planen und Handeln)
  • Intuition (emotionale Intelligenz: EQ, Wahrnehmung, unmittelbares Wissen etc.)
  • Intelligenz (IQ, analytische Fähigkeit für Differenzierung)
  • Kompensations-Talent; z. B. können Blinde meist viel besser Hören

Talentwettbewerbe

Weltweit werden zahlreiche Wettbewerbe ausgetragen, um Talente zu entdecken. Insbesondere in sogenannten Leistungsgesellschaften, wie beispielsweise den USA, England, China, Japan, Südkorea und Deutschland.

Medial sind diese, meist auf Gesang, Akrobatik, Kunst, Sport und allgemeines Entertainment konzentrierte Wettbewerbe, als sogenannte Talent-Shows meist Lizenzmodelle, welche von regionalen Medienanstalten in immer mehr Ländern auf der ganzen Welt erworben werden.

Die bekanntesten Wettbewerbe und Scoutings sind

  • "Got Talent" / "x sucht den Superstar"
  • "The Voice of x"
  • überregionales Scouting beim Fußball und anderen Sportarten
  • Ausscheidungswettkämfe im Sport (Meisterschaften, Olympiade etc.)
  • schulische Wettbewerbe, z. B. in Mathematik, Schreiben
  • Erfinderwettbewerbe

Zitate

„Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.“

Marie von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916)

"Aus der Art, wie das Kind spielt, kann man erahnen, wie es als Erwachsener seine Lebensaufgabe ergreifen wird."

Rudolf Steiner (1861 - 1925)

“Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.”

Pablo Picasso (1881 - 1973)


In den Medien

Alphabet: Angst oder Liebe (ein Film von Erwin Wagenhofer, 2014)

Am 12.06.2014 veröffentlicht unter "YouTube-Filme"

Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird durch krisenhafte Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt, und eine Antwort ist nicht in Sicht. Die politischen und wirtschaftlich Mächtigen wurden zum Großteil an den besten Schulen und Universitäten ausgebildet. Ihre Ratlosigkeit ist deutlich zu spüren, und an die Stelle einer langfristigen Perspektive ist kurzatmiger Aktionismus getreten. Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal, welche Schule wir besucht haben, wir bewegen uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen, als es darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer arbeitsteiligen Produktionsgesellschaft auszubilden. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je. Denn neuerdings weht an den Schulen ein rauher Wind.


Vom kleinen Genie zum Nobelpreisträger? - Dokumentation von NZZ Format (1998)

Am 12.12.2017 veröffentlicht vom YouTube-Kanal „NZZ Format“

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind höchstbegabt, weitere zehn Prozent gehören zu den Hochbegabten. Entgegen der landläufigen Meinung setzen sich diese Talente nicht in jedem Fall durch. Genauso wichtig sind Motivation, Wille zur Leistung und vor allem ein geeignetes kulturelles Umfeld. Ohne Förderung durch Schule und Elternhaus können Talente verkümmern und begabte Kinder zu aggressiven Störenfrieden werden. Die Ansicht setzt sich deshalb immer mehr durch, dass Hochbegabte spezielle Förderung brauchen.

NZZ Format berichtet hier über neue Forschungen und Schulmodelle in Deutschland und England.


Literatur

Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen

Taschenbuch – 9. Dezember 2013 von Gerald Hüther (Autor), Uli Hauser (Autor)

Dieses Buch setzt dem Förderwahn ein Ende!

Es gibt kein Abitur-Gen, doch jedes Kind hat vielseitige, wertvolle Begabungen. Das kann die Neurowissenschaft schon längst belegen. Also weg mit dem Begabungskonzept aus dem vorigen Jahrhundert. Endlich weniger Frust und Stress bei der »Erziehung« und vor allem mehr Chancen für alle unsere Kinder. Dieses Buch entlastet Eltern und Schulen von quälender Fixierung auf Leistung und bietet die überfällige Perspektive in einer seit Jahren festgefahrenen Debatte.

Wer Arzt werden will, muss gut sein in Mathe, nicht in Mitgefühl. Die vorherrschende Auffassung von Begabung und „Intelligenz“ ist nicht nur falsch, sondern sehr gefährlich. Eltern und Schulen tun zwar alles, um die Fähigkeiten unserer Kinder zu fördern. Doch weil unser Schul- und Bildungssystem immer noch fast ausschließlich auf Wissensvermittlung und Leistung setzt, bringen wir zwar Einserschüler und -studenten hervor, die dann im Berufsleben aber versagen. Auf der Strecke bleiben viele ungenutzte und frustrierte Talente, und diesen Irrweg beschreiten wir schon viel zu lange. 

Gerald Hüther und Uli Hauser beschreiben, welche Begabungen in jedem Kind angelegt sind und wie sich das kindliche Gehirn entwickelt. Sie zeigen, dass unsere Erziehung dem viel zu wenig Rechnung trägt und fordern ein radikales Umdenken: Damit alle Kinder ihre Möglichkeiten ganz entfalten können.

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Letzte Bearbeitung am 13.11.2018

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