Liebe

Anmerkung: Aufgrund von zahlreichen Zuschriften haben wir uns auch an diesem Begriff "versucht". Wir arbeiten daran, diesen Begriff vollständig zu definieren. Bitte haben Sie noch etwas Geduld, denn mit diesem Wort haben wir eine harte Nuss zu knacken - natürlich nur sprachwissenschaftlich im Kontext von Wertvorstellungen ;-)


Synonyme

Wortformen: lieben, verlieben, verliebt, Geliebte, Geliebter, Liebchen, ...

Verliebtheit, Innigkeit, Hingabe, Hingebung, Leidenschaft, Verbundenheit, Hingezogenheit, Hinneigung, Zuneigung, Feuereifer, Liebesgefühl, Einheit, Einssein

abgeschwächt: Mitgefühl, Empfindung, Partnerschaft, Beziehung, Herzlichkeit, Herzenswärme, Zärtlichkeit, Schwärmerei, Interesse, Sinnlichkeit 

ähnlich: Anbetung, Begeisterung, Einfühlungsvermögen, Obhut, Anhänglichkeit, Nestwärme, Behütetsein, Geborgensein, Uneigennützigkeit, Idealismus, Erregung, Engagement, Erotik, Wollust, Demut, Begierde, Weißglut, Heißblütigkeit, Passion, Fanatismus 

Fremdwörter: Verve, Libido, Amor, Amore

poetisch: Minne

Englisch: love, dear (liebe, lieb, teuer, geehrt, verehrt, geliebt)


Einleitung

Grundsätzlich stellt das Wort „Liebe“ keinen Werte-Begriff dar, sondern eher eine Emotion – obgleich die Liebe ganz bestimmte Wertvorstellungen auslöst, also ein Wertesystem erschaffen könnte, bestehend aus z. B. Empathie, Zuneigung, Großzügigkeit, Idealismus, Vertrauen, Mut, Abenteuer etc.

Im Gegensatz zum Begriff Liebe stellt der Begriff Nächstenliebe einen Wert im Sinne von Wertvorstellungen dar.

Wir haben die beiden Wörter "Liebe Definition" (wohlgemerkt in Anführungszeichen) am 03.01.2018 in die Suchmaschine Google.de eingegeben und bekamen sagenhafte 219.000 Ergebnisse. Zum Vergleich: "Respekt Definition" ergab 1.590, "Werte Definition" 1.600 und "Loyalität Definition" nur 929. Es haben demnach Viele versucht, für den Begriff Liebe eine Definition zu finden oder diesen gar zutreffend zu beschreiben.

Beim Durchstöber der Erklärungsversuche stellten wir fest, dass sich die meisten Autoren mit einer Begriffs-Definitionen offen bekennend schwer tun.

Wir wollen es hier ebenso versuchen und dabei möglichst präzise sein sowie alle traditionellen und neuzeitlichen Deutungen berücksichtigen. Wie gewohnt gehen wir der Sache zunächst etymologisch auf den Grund.


Wortherkunft

Im sorgsam aufbereiteten Buch "Etymologisches Wörterbuch des Deutschen" von Wolfgang Pfeifer (siehe Quellennachweise) finden wir folgendes:

Liebe f. „starkes Gefühl der Zuneigung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit“, auch als Objekt der Zuneigung, „geliebte Person“, althochdeutsch liubī (9. Jh.), lioba (11. Jh.), mittelhochdeutsch „liebe“, „das Wohlgefallen, das man über oder durch etwas empfindet, das Liebsein, Freude, das Liebhaben, Freundlichkeit, Gunst“; dann (15./16. Jh.) in den heutigen Sinn übergehend, älteres, anstößig gewordenes „Minne“ (s. d.) verdrängend; Abstraktbildung zum Adjektiv „lieben“ Vb. „ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden, gern haben“, althochdeutsch liobōn (8. Jh.), liuben (9. Jh.) „angenehm, lieb machen oder sein, empfehlen, begehren, wohltun“, mittelhochdeutsch lieben „angenehm, lieb machen, sein oder werden, gefallen, Freundlichkeit erweisen“; in heutiger Bedeutung seit dem 16. Jh. üblich, zuvor dafür mittelhochdeutsch liep haben, älteres minnen (s. d.) verdrängend.

Quelle: „Liebe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Liebe>, abgerufen am 20.12.2017

Das Substantiv Liebe ist demnach eine sogenannte Abstraktbildung aus dem Adjektiv lieben – also einer Aktivität, die somit das Wesen des heute gebräuchlichen Substantives besser ausdrückt.


Allgemeine Definition und Bedeutung

Laut DWDS.de (Quelle: siehe oben):

1. starkes Gefühl der Zuneigung

a) für eine Person

b) für eine Sache, Idee

2. Barmherzigkeit, Mildtätigkeit

3. (umgangssprachlich) Gefälligkeit, Freundlichkeit

4. (umgangssprachlich) Person, der jmds. starkes Gefühl der Zuneigung zuteil wird

5. brennende Liebe

Laut Duden.de (Bedeutungsübersicht):

1. a. starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen

1. b. auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.

1. c. sexueller Kontakt, Verkehr

2. a. gefühlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee o. Ä.

2. b. in »mit Liebe«

3. Gefälligkeit; freundschaftlicher Dienst

4. (umgangssprachlich) geliebter Mensch

Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Liebe (20.12.2017)

Wir sehen hier, dass es viele Bedeutungen des Begriffs Liebe gibt. Und sicher auch, dass einige der Beschreibungen bzw. Zuordnungen aus Sicht eines theologischen bzw. spirituellen Blickwinkels unkorrekt sind. Insbesondere dann, wenn wir die Herkunft des Wortes Liebe zu Rate ziehen und dementsprechend das Adjektiv "lieben" zugrunde legen.

Wir wollen uns somit im Folgenden auf die Definition im Sinne von Wertvorstellungen (teuer, wertvoll) konzentrieren.


Definition

Liebe ist die höchste Form von zugeneigter Wertschätzung und Bewunderung, welche sich zunächst durch starke Gefühle (zugeneigte Emotionen) und daraus resultierend in irrationalen, mutigen und optimistisch motivierten Handlungen ausdrückt. In vollendeter Ausprägung ist sie stets bedingungslos.


Beschreibung

Liebe vereint alle Aspekte und Intentionen von Wertschätzung, die konstruktiv, wohlwollend, zugeneigt, bedingungslos und unterstützender Natur sind.

Das, was in vielen Religionen und spirituellen Schriften als Demut und Hingabe bezeichnet wird, findet in der Liebe seine Vollendung. Eine wahrhaft liebende Person stellt keine Bedingungen und folgt dem Grundsatz: "Geben ist wertvoller als Nehmen".

Lieben ist in einer egozentrisch, materialistisch geprägten Gesellschaft schwer möglich, da lieben "hingeben", also "geben", bedeutet. Der Begriff "wertschätzen" beinhaltet in etwa: "den Schatz, der uns wichtig ist, zu spenden oder jemanden (oder auch stellvertretend einer Sache, einem Projekt) zu geben, den wir verehren, bewundern und/oder lieben."

Die höchste Form von Wertschöpfung findet durch die Liebe statt.

Körperliche Aspekte

Wenn sich ein Mensch verliebt oder in Liebe schwelgt, erzeugt sein Körper sogenannte „psychotrope Substanzen“, wie Neurotransmitter (z. B. Dopamin) und Hormone (z. B. Adrenalin) – auch Botenstoffe genannt. 

Unter der Sammelbezeichnung „Phenylethylamine“[1] (pauschal als Verliebtheitshormon bezeichnet) werden verschiedene Substanzen produziert, die z. B. Glücksgefühle, Lust und Schmerzunempfindlichkeit herstellen. Neben den o. a. stimulierenden Substanzen sind auch Tyramin, Oxytocin, Serotonin, Testosteron und Östrogen bedeutend.

[1] Auch „β-Phenylalkylamine“; siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Phenylethylamine


Zitate

"Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir - für immer."

Konfuzius

"Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann."

Mahatma Gandhi

"Liebe ist der angenehmste Zustand teilweiser Unzurechnungsfähigkeit."

Marcel Aymé (1902 bis 1967)

"Die einzigen Geschöpfe, die weit genug entwickelt sind, um reine Liebe auszudrücken, sind Hunde und Kleinkinder."

Johnny Depp (1963)

"Wenn auf Erden die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich."

Aristoteles


In den Medien

Was ist Liebe?

Am 11.09.2017 veröffentlicht vom YouTube-Kanal "Wissenswert"

Ein kurzer aber reichhaltiger Ausflug über die verschiedenen Formen und Deutungen von Liebe; mit wertvollen Zitaten unterschiedlicher Kulturen. Der Kontext: „Liebe = Einheit“.


"Liebe" von Richard David Precht

Am 19.01.2019 veröffentlicht vom YouTube-Kanal "Wertesysteme.de"

Auf dem Literaturfestival in Hamburg (2009) erklärt Richard David Precht die Liebe aus Sicht der modernen Philosophie und der Wissenschaft. Subtil humorvoll, aber auch tiefsinnig und möglicherweise alltagstauglich.


Literatur

Liebe: Definition (auf www.liebewohl.de)

"Versuche, den Begriff "Liebe" zu definieren, werden leicht unübersichtlich:

Da wird unterschieden zwischen den Liebesobjekten (Partnerliebe, familiäre Liebe, Nächstenliebe, Selbstliebe, Objektliebe, Ideenliebe, Gottesliebe oder auch die "objektlose Liebe"), und auch bei der Partnerliebe wird differenziert zwischen der spielerisch-sexuellen Liebe ("ludus"), der besitzergreifenden Liebe ("mania") und der auf Vernunftsgründen basierenden Liebe ("pragma"). [...]"



Letzte Bearbeitung am 19.01.2019

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