Freigeist (Freigeistigkeit und Werte)

Synonyme

Wortformen: freigeistig, Freigeisterei

positiv (konstruktiv): Querdenker, Aufgeklärter, Freidenker

neutral: Glaubensloser, Konfessionsloser, Religionsloser

negativ (teils veraltet): Gottloser, Ungläubiger, Heide, Atheist, Ketzer, Sektierer

Englisch: Latitudinarian, freethinker

Wortherkunft

Zusammengesetzt aus "frei" = "unabhängig, unbeschränkt" und "geist" = früher: "fromm (aus "spiritus" = "Hauch, Atem, Seele")", heute: "stofflos, immateriell, schöpferisch".

Das Wort Freigeist wurde früher von institutionellen Religionen abwertend benutzt, um Menschen so zu bezeichnen und abzugrenzen, die "frei" von Glauben und Spiritualität sind.

Zitat DWDS: "Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen." Quellehttps://www.dwds.de/wb/Geist#et-1 (25.07.2017)

Definition

Ein freiwillig (selbstbestimmter) geistig unabhängiger Mensch, insbesondere im Denken und auch in seiner Ausdrucksweise.

Freigeistig: Den eigenen Gedanken unabhängig folgend, frei im Denken (freidenkerisch).

Beschreibung

Der neuzeitlich im Positiven benutzte Begriff Freigeist beinhaltet die Intention, sich eigenständig über persönliche sowie gesellschaftspolitisch liberale Werte zu identifizieren und auszudrücken. 

Freigeister wurden ab dem 16. Jh. als sog. Gottlose angeprangert, im sog. „Index[1]“ gelistet und geächtet. In diesem Sinne war Martin Luther ein früher Freigeist und Aufklärer, der auf nonkonformistische, „protestantische“ (selbstbewusste) Weise einen Teil der damaligen unterjochten Christen von den Dogmen und Zwängen der katholischen Kirche quasi „befreite“.

Seit dieser Zeit hatte die Freigeistigkeit – insbesondere durch Philosophen, Schriftsteller, Wissenschaftler und politische Aktivisten betrieben – zahlreiche Wertewandel in der abendländischen Kultur hervorgerufen.

Insbesondere durch die „Aufklärung“ (ab Anfang 17. Jh.) konnte das „freie Denken“ in seinen ersten Grundzügen etabliert werden. Es ging im Kern aller Diskussionen immer um Werte, auch wenn der Begriff meist nicht verwendet wurde.

Die bekanntesten und einflussreichsten Vertreter dieser Zeitenwenden waren (in chronologischer Reihenfolge):

  • Erasmus von Rotterdam (um 1467 bis 1536)
  • Martin Luther (1483 bis 1546)
  • Thomas Hobbes (1588 bis 1679)
  • René Descartes (1596 bis 1650)
  • Samuel Freiherr von Pufendorf (1632 bis 1694)
  • John Locke (1632 bis 1704)
  • Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 bis 1716)
  • Christian Thomasius (1655 bis 1728)
  • Montesquieu (1689 bis 1755)
  • Jean-Baptiste Dubos (1670 bis 1742)
  • Voltaire (1694 bis 1778)
  • Johann Christoph Gottsched (1700 bis 1766)
  • Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778)
  • Adam Smith (1723 bis 1790)
  • Immanuel Kant (1724 bis 1804)
  • Johann Heinrich Lambert (1728 bis 1777)
  • Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781)
  • Thomas Jefferson (1743 bis 1826)
  • James Madison (1751 bis 1836)
  • Rudolf Steiner (1861 bis 1925)

Neben den freigeistigen Bewegungen in den späten 1960er Jahren ist seit den 1990er Jahren ein wiederholtes Aufblühen einer Aufklärung deutlich merkbar – nennen wir es einfach „Neo-Aufklärung“. Die Akteure sind aus den geistigen Nachkommen von Voltaire, Kant & Co entstanden und in ihrer Zahl, Freizügigkeit, aber auch in Teilen in offensichtlicher Orientierungslosigkeit gewachsen. Eines der ehrenhaftesten Ziele ist jedoch das Selbe geblieben: Selbstverwirklichung – wenn auch teils in selbstdarstellerischer und narzistischer Art.

Nach Gutenbergs erster Medienrevolution nutzen die heutigen Freigeister die nächste Stufe der "Werteverbreitungsmaschinerie" und "gehen nun digital viral". Quantität ist scheinbar vorrangig. Die geistig werthaltige und sinnstiftende Bildung einer Essenz wird möglicherweise auch Google nicht hinbekommen, obgleich man sich dort einer entsprechenden Verantwortung bewusst zu sein scheint.

Unser Projekt Wertesysteme.de ist auch freigeistig geprägt, allerdings ist unser Bestreben, sich mit dem Kern dessen zu beschäftigen, was uns z.B. "Maslow[2]" mit seiner berühmten Bedürfnispyramide einfach darzulegen wusste und damit eine gute Steilvorlage geliefert hat. Wir haben diese Ideen großzügig weiterentwickelt und die Pyramide gespiegelt doppelt aufgesetzt: von den Bedürfnissen über Motive, zu Werte und in der Spitze zu den persönlichen (freigeistigen) Zielen und zur Selbstverwirklichung. 

Siehe Grafik „Schaubild: vom Motiv über Werte zur Lebensaufgabe“ im Kapitel „Was sind Werte“.

Jeder Einzelne Konsument von jedem freigeistigen Gedankengut sollte mit Bedacht und Sorgfalt wählen, was wirklich wertvoll ist. Für ihn selbst, für seine Familie, für seine Freunde, für seine Verbündeten und natürlich - aus nachhaltigen Gründen - die gesamte Gesellschaft.

Siehe Grafik "Werte-Bewusstseins-Ebenen" im Kapitel Werte-Kategorien".


Links und Literatur

Ein Blog über Freigeistigkeit

In einem ziemlich freigeistigen Blog können wir folgendes lesen:

Auszug: "[...] Ein Freigeist liebt die eigene Erkenntnis um ihrer selbst willen, weil sie nicht der Historie der Gesetzmäßigkeiten, sondern den Realitäten in Bezug auf sein Dasein als ein Teil eines faszinierenden, unendlich freien aber auch unermesslichen Ganzen, geschuldet ist. [...]" Heinz Sauren (Aug 2011)


[1] Index Librorum Prohibitorum

Kurz auch "Index" genannt, ist ein 1559 erstmals veröffentlichtes "Verzeichnis der verbotenen Bücher" oder auch "Index Romanus" (römischer Index), das von der römischen Inquisition für jeden Katholiken alle Bücher auflistete, deren Lektüre als schwere Sünde galt. Der Index wurde erst 1967 formell abgeschafft.

[2] Abraham Harold Maslow (1908 bis 1970)

US-amerikanischer Psychologe; gilt als Gründervater der sog. „Humanistischen Psychologie“; er führte 1954 den Begriff „Positive Psychologie“ ein; seine „Bedürfnispyramide“ ist weltweit bekannt.


Letzte Änderung: 29.11.2017

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