Demokratie


Synonyme

Wortformen: Demokratismus, Demokratisierung, Demokrat, demokratisch, demokratisieren.

Volksherrschaft, Volksstaat, Freistaat, Volkssouveränität, Parlamentarismus.

Ähnlich: Republik (Staatsform).

Fremdwörter: Ochlokratie (Pöbelherrschaft).

Englisch: democracy.


Wortherkunft

Aus lateinisch „dēmocratia“ sowie griechisch „dēmokratía“ = „Herrschaft des Staatsvolkes“; zusammengesetzt aus griechisch „dḗmos“ = „Volk, Staatsvolk“ und „kraté͞in“ = „herrschen“ bzw. „kratós“ =  „Gewalt, Macht, Herrschaft“; ins Deutsche übernommen im 16. Jh.: „Demokratie“. Gegenbegriff: „oligarchía“ = „Herrschaft der wenigen“.


Historie

„Kleisthenes von Athen“ (um 570 bis ca. 507 v. Chr.) gilt heute als Begründer der Demokratie. Mit seinen von „Solon“ beeinflussten Reformen im Jahre 508 v. Chr. im damals „attischen Polis“ legte er den Grundstein für die späteren „demokratische Entwicklungen“. Er vereinte die Stadt und seine umliegenden Gemeinden. Es wurden gemeinsame Werte diskutiert und in Form von Regeln und Ritualen festgeschrieben. Es entstanden großflächige Wertegemeinschaften.

Aristoteles hielt die Demokratie für die „am wenigsten schlechte Staatsform“. Er schrieb in der „Nikomachische Ethik“[2], dass sich die Demokratie nur unwesentlich von der „Timokratie“ (Herrschaft der Angesehenen) unterscheidet. Er verglich hier die Staatsform mit der Beziehungskultur in Familien: „Die Demokratie findet sich hauptsächlich in Haushalten, wo es keinen Herren gibt – denn dort sind alle auf gleichem Fuß – oder wo der Herrscher schwach ist und jeder nach Belieben handeln kann.“

Auch im „Römischen Reich“ wurden die Aspekte der Demokratie zeitweise aufgegriffen und umgesetzt, wobei jedoch in großen Teilen die Feudalherrschaft, Diktaturen und Aristokratien bzw. Monarchien für viele Jahrhunderte weiter bestanden.

Mit der „Französischen Revolution“ von 1789 bis 1799, mit ihrem im Motto „Liberté, égalité, fraternité“ = „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, wurde in ersten Schritten der feudal-absolutistische Ständestaat abgeschafft. Es wurden grundlegende Werte und Ideen der „Aufklärung[3]“ als Ziele ausgegeben und mit allen Mitteln verfolgt. Erstmals wurden die Menschenrechte großflächig durchgesetzt. Dies veränderte das gesellschaftspolitische Denken und die Machtstrukturen in ganz Europa. Es entstand das moderne Demokratieverständnis.

Fast gleichzeitig fand die liberal geprägte „Atlantische Revolution“ (1770 bis 1830) statt, die einen gravierenden Höhepunkt in der „Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung“ (4. Juli 1776) fand. Damit war der liberal-demokratische Verfassungsstaat in der westlichen Welt maßgeblich etabliert.

Wir können heute sagen, dass die abendländische Zivilisation – welche prägend für die heutige Idee einer gesunden Weltordnung ist – im Mittelmeerraum entstand und sich dann langsam weltweit ausbreitete.

Laut dem „Demokratieindex“ der Zeitschrift „The Economist“ leben heute in 19 Ländern 4,4% der Weltbevölkerung in sogenannten „vollständigen Demokratien“.

[1] Solon (um 640 bis ca. 560 v. Chr.); athenischer Gesellschaftsanalytiker, Politiker, Philosoph und Lyriker; zählte in der Antike zu den „sieben Weisen Griechenlands.

[2] Nikomachische Ethik: Einer der drei, mit dem Namen des Aristoteles überlieferten ethischen Schriften.

[3] Aufklärung: siehe im Artikel „Wertewandel“ den Abschnitt „Die Aufklärung (1650 bis 1800).


Definition

  1. a) politisches Prinzip, nach dem das Volk durch freie Wahlen an der Machtausübung im Staat teilhat
    b) Regierungssystem, in dem die vom Volk gewählten Vertreter die Herrschaft ausüben
  2. Staat mit demokratischer Verfassung, demokratisch regiertes Staatswesen
  3. Prinzip der freien und gleichberechtigten Willensbildung und Mitbestimmung in gesellschaftlichen Gruppen

Quelle: https://www.duden.de/node/652683/revisions/1681060/view (19.03.2018)


Beschreibung

Demokratie bezeichnet eine Herrschaftsform in denen alle Macht und Regierung vom Volk ausgeht. Dies geschieht durch politische Ordnungen bzw. politische Systeme. 

Diese demokratische Macht (entscheidende Steuerung) kann entweder 1. unmittelbar (direkt) oder 2. durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten (indirekt) an allen Entscheidungen, welche die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt.

In demokratischen Staaten und politischen Systemen geht die jeweilige Regierung durch unabhängige und nicht manipulierte politische Wahlen aus dem Volk hervor. 

Die wesentlichen Merkmale einer Demokratie

  1. Freie Wahlen, bei denen jeder sogenannte „wahlberechtigte“ Bürger bzw. Einwohner seine „Stimme“ für die bevorzugte Partei oder Person abgeben kann.
  2. Das Prinzip der Mehrheit = die Partei oder Person mit den meisten Stimmen, vertritt die Interessen aller Bürger.
  3. Minderheiten finden Berücksichtigung und werden geschützt.
  4. Politische Oppositionen werden akzeptiert und in Diskussionen über Entscheidungen einbezogen.
  5. Gewaltenteilung, durch das Verteilen der Staatsgewalt auf mehrere Staatsorgane, zum Zweck der Machtbegrenzung und der Sicherung von Freiheit und Gleichheit; nach dem historischen Vorbild der zwingenden Aufteilung in 
      a) Gesetzgebung (Legislative),
      b) ausführende Gewalt (Exekutive) und
      c) Rechtsprechung (Judikative). 
  6. Folgt einer zuvor begründeten, meist vernunftbegabten „Verfassung“.
  7. Den Schutz der Grundrechte aller Menschen, welche auf der Verfassung aufgebaut sind.
  8. Den Schutz der Bürgerrechte, welche in der Verfassung und in speziellen Gesetzgebungen sowie Verordnungen verankert sind.
  9. Die Achtung der Menschenrechte im Allgemeinen, welche meist übergeordneter (ethischer, menschlicher) Natur sind.

Im demokratischen Prinzip ist – aus logischen Gründen verankert und festgeschrieben – dass Meinungs- und Pressefreiheit für eine politische Willensbildung unerlässlich sind.

Viele der existierenden Demokratien nennen sich Republiken (aus lateinisch „res publica“ = „öffentliche Sache“ im Sinne des Gemeinwesens und insbesondere (heute) einem „Staat“).

Eines der wesentlichen Merkmale der (ursprünglichen) Demokratie ist, dass die Amtszeiten der Steuerungsorgane begrenzt sind. Ziel hierbei war, zu bestätigen, dass die jeweils steuernde Person, ausnahmslos die Rolle hat, den Willen des Volkes bzw. der Bürger zu vertreten und darüber hinaus keinen persönlichen Status verfolgen bzw. ihm erliegen darf.

Zahlreiche heute existierende (selbsternannte) Demokratien werden der ursprünglichen Idee nicht oder nur teilweise gerecht. Sie täuschen demokratisches Wirken vor, um persönliche Ziele und/oder dogmatische Ideologien (mit z.B. religiös ambitionierten Motiven) zu verfolgen.

Existierende Formen der Demokratie

Grundlegend existieren direkte oder indirekte (sogenannte repräsentative) Demokratien:

  • Direkte Demokratie (Beispiel: Schweiz)
  • (Repräsentative) Präsidiale Demokratie (Beispiele: USA, Frankreich)
  • (Repräsentative) Parlamentarische Demokratie (Beispiele: Großbritannien, Deutschland)

Zitate

„Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit.“

Willy Brandt (1913 bis 1992)

„Man darf nicht die Demokratie zum Vorwand nehmen und ein Land angreifen. Die Menschenrechte kann man den Menschen gewiss nicht durch Bomben bringen. Es darf auch nicht sein, daß man den Kampf gegen eine Diktatur zum Vorwand nimmt, um die Ressourcen einer Nation zu rauben. Demokratie und Menschenrechte können nur mit dem und durch den Willen der Menschen verwirklicht werden, nicht dagegen.“

Shirin Ebadi (21.06.1947); aus der fünften Weltethos-Rede: „Der Beitrag des Islam zu einem Weltethos“ am 20.10.2005 in Tübingen, weltethos.org


In den Medien

Demokratie einfach erklärt (explainity® Erklärvideo)

Am 04.08.2014 veröffentlicht vom YouTube-Kanal „explainity®“

Die parlamentarische, präsidentielle und direkte: Das sind die drei verschiedenen Formen der Demokratie. Peter, Sam und Heidi leben in diesen unterschiedlichen demokratisch geführten Ländern. explainity erklärt euch in dem Erklärvideo „Demokratie einfach erklärt“, worin die Unterschiede für die drei jeweils liegen.


Unsere Werte - Die Schönheit der Demokratie

Am 24.03.2018 veröffentlicht vom YouTube-Kanal "Wertesysteme.de"

Die Demokratie steht mehr denn je auf dem Prüfstand. Hier wird aufgezeigt, welche Werte und Qualitäten wir mit unserem Grundgesetz und unseren demokratischen Errungenschaften haben. Quelle: "Unsere Werte, Die Schönheit der Demokratie; 23.03.2017, 22:00 Uhr, BR Fernsehen; 7 Min


Die Zukunft der Demokratie

Im Gespräch: Richard David Precht & Herfried Münkler in Sternstunde Philosophie vom 06.03.2011 im SRF (SF-Kultur).

Am 10.03.2011 veröffentlicht vom YouTube-Kanal „Schweizer Radio und Fernsehen“.

Die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft bedroht die Demokratie, sagt der Politloge Herfried Münkler und plädiert für mehr Engagement der Bürger und weniger «Projektmentalität». Wir würden uns nur noch für bestimmte Projekte engagieren, also nur für eine beschränkte Zeit, konstatiert Münkler. Nehmen wir unsere Demokratie zu selbstverständlich und untergraben sie damit? Sind wir eine Gesellschaft mit erodierender Mitte und haben deshalb das Mass für das Vernünftige verloren, wie es der Politologe Münkler in seinem jüngsten Buch beschreibt. Wie sieht die Zukunft der Schweizer Demokratie aus? In der «Sternstunde Philosophie» spricht der Politologie-Professor Herfried Münkler mit Richard David Precht über die künftige Entwicklung der Demokratie. Dieses Gespräch ist das zweite von vier, das der Bestsellerautor und Philosoph Precht im Rahmen der «Sternstunde Philosophie» führen wird. Die Redaktion erteilt Precht eine Carte Blanche im Hinblick auf die Wahl seiner Gäste und Themen.  Quelle: https://goo.gl/yJdLT7


Die Zeit: Ertragt euch!

Menschen rücken voneinander ab, einfach nur weil sie eine andere Weltsicht vertreten. Der Demokrat aber muss ein Schmerzkünstler sein. Ein Plädoyer für wahre Toleranz.

Aus der „Die Zeit“ Nr. 11/2018 von Volker Kitz am 7. März 2018 (editiert am 11. März 2018)

„[...] Ein Freund hat eine Kneipe. Er hat auch einen Aufkleber: „AfD muss draußen bleiben“. Soll er ihn an die Tür kleben? Es bereite ihm körperliche Schmerzen, sagt er, Leuten Bier auszuschenken, deren Weltbild ihn abstößt. Aber genau da beginnt die Toleranz. In der kleinsten Kneipe ist Platz für unterschiedliche, auch gegensätzliche Meinungen. Ich möchte mein Bier nicht da trinken, wo alle so denken wie ich. Umgekehrt kann sich der AfD-Gast in Toleranz üben, wenn er sein Bier an dieser Theke mit Flüchtlingen trinkt. Denn tolerant ist auch, wer es falsch findet, dass ein Land bestimmte Zuwanderer aufnimmt – und trotzdem diesen Zuwanderern einen Platz in der Gesellschaft zugesteht. 

Ein anderer Freund wurde mal gebeten, auf einem Familienfest seinen Mann nur als Kumpel vorzustellen. Es seien Gäste da, die für so etwas kein Verständnis hätten. Der Freund sagte ab. Beide Seiten wollten den leichten Weg gehen, sich und anderen Ärger ersparen. Doch wäre er hingegangen, ohne sich zu verleugnen, wären zwei Welten aufeinandergetroffen. Auf beiden Seiten hätte man geschluckt, sich unwohl gefühlt. Dann hätte vielleicht ein Gespräch begonnen.

Wir machen es uns zu leicht, wenn wir das andere einfach aussperren wollen. Wahre Vielfalt schmerzt. Der Demokrat ist Schmerzkünstler. Er betrachtet Schmerzen nicht als Krankheit, sondern als Lebenszeichen einer Gesellschaft, in der es höhere Werte gibt als kleinkarierte Rechthaberei: wahre Freiheit, wahre Vielfalt und wahre Toleranz. Diese Gesellschaft schmerzt nicht nur. Sie nährt auch eine aufgeklärte Gelassenheit, die uns durch turbulente Zeiten lotst.“ http://www.zeit.de/2018/11/demokratie-toleranz-gesellschaft-wahrheit-meinung-vielfalt


Letzte Bearbeitung am 23.05.2018

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