Psychosynergetik

Die Fraktale Evolution des Psychischen. Grundlagen einer Allgemeinen Psychotherapie

Klappentext: "Die immer breitere Anwendung moderner Selbstorganisationstheorien wie der Synergetik in den Neurowissenschaften und der Psychomotorik-Forschung bereitet einen Paradigmenwechsel von einer instruktionistischen zu einer emergentistischen Psychologie vor. Psychische Prozesse werden hier nicht als computeranaloge Informationsverarbeitungsprozesse modelliert, sondern als evolvierende komplexe Systeme, deren nichtlineare Dynamik Information kreiert. Faszinierend sind die Bezüge, die sich zur Gestaltpsychologie ergeben. Zentrale gestalttheoretische Konzepte können in einem modernen theoretischen Rahmen reinterpretiert und weiterentwickelt werden. Als physiologisches Pendant von "Gestalt" erweisen sich dabei neuronale dissipative Strukturen. Die "Sprache der Dynamik" erfasst sowohl die psychologische als auch die physiologische Ebene, und es gibt erste experimentelle Belege für eine "psychophysische Isodynamik". Nur geringe theoretische Beachtung hat bisher die vielfach belegte Beziehung zwischen Gestaltqualität und Emotionalität gefunden: "gute Gestalt" ist regelhaft mit positiven und "schlechte Gestalt" mit negativen Emotionen verbunden. Vor diesem Hintergrund wird folgende Kernthese formuliert: Es existiert ein emotionales Bewertungssystem für die evolutive Stabilität und Komplexität menschlicher Tätigkeitsprozesse. Neben der bekannten, auf statische Objekteigenschaften bezogenen emotionalen Bewertung im Rahmen der basalen physiologischen Bedarfssysteme erfolgt hier also eine Bewertung dynamischer Prozesseigenschaften des aktual-emergenten Tätigkeitsgeschehens. Die hierbei resultierenden Stimmigkeits- und Unstimmigkeitsempfindungen komprimieren die Gesamtkomplexität des Tätigkeitsprozesses auf die funktionell entscheidenden Parameter und machen ihn so für ein Bewusstsein mit geringer "Kanalbreite" erst ganzheitlich beherrschbar. Phänomene wie intrinsische Motivation, "nichthomöostatische", auf persönliches Wachstum gerichtete Bedürfnisse, ästhetisches Empfinden und die subtile Wechselwirkung von Kognition und Emotion im kreativen Denkprozess erfahren so eine neuartige Deutung. Die phylogenetisch abgeleiteten Funktionssysteme werden zu einem praktisch handhabbaren Rahmenmodell des Psychischen integriert. Nach einer Reinterpretation bestehender Psychotherapieformen und ihrer Integration auf dieser Grundlage wird eine Allgemeine evolutionistische Psychotherapie im Grundriss erkennbar."

Über den Autor: Dr. med. Dietmar Hansch studierte Medizin, Physik und Philosophie in Berlin und Hagen. Er arbeitet als Arzt an der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie am Virchow-Klinikum, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.



Letzte Bearbeitung am 10.11.2018

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