Politik

In fast jedem politischen Kontext wird von Werten gesprochen. Oft indirekt und unbewusst, aber besonders in Zeiten von Wahlkämpfen auch bewusst und gezielt. Einige Begriffe, nebst deren Synonyme, werden wie ein Mantra ständig wiederholt.

Die mit Werten aufgeladenen Gedanken aus dem Zeitalter der Aufklärung (1650 bis 1800) - insbesondere des gern zitierten Philosophen Immanuel Kant - wurden in der Französische Revolution zu einer politischen Bewegung umformuliert, welche in Folge überall in Europa zu spüren war. Auch heute noch haben sie große Bedeutung und werden regelmäßig rezitiert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Politische Parteien arbeiten und argumentieren auf deren eigenen Grundwerten, welche die politische Gesinnung fundamentieren. So sind diese Grundwerte auch als Leitwerte zu verstehen, welche auf Leitmotive (Beweggründe) basieren.

Die Werte der aktuell wichtigsten Parteien

Die Sozialdemokratie (SPD) nennt ihre Werte: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität

Die CDU (Christlich Demokratische Union) schreibt auf Ihrer Webseite: "Grundlage unserer Politik ist das christliche Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott. Unsere Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit sind daraus abgeleitet. Die CDU ist für jeden offen, der die Würde und Freiheit aller Menschen und die daraus abgeleiteten Grundüberzeugungen unserer Politik bejaht."

Die Grünen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) schreiben in Ihrem Grundsatzprogramm (2002): "Unsere Grundposition heißt: Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte. In ihrer Wechselbeziehung öffnen diese Grundsätze den Horizont bündnisgrüner Visionen. Wir laden alle zur Mitarbeit ein, die sich diesen Zielen verpflichtet fühlen. Wir wollen die Ideen, die Kritik und den Protest von Bürgerinnen und Bürgern aufnehmen, sie zu Aktivität ermutigen und ganzheitliche Konzepte entwickeln."

Im Grundsatzprogramm der FDP (Freie Demokratische Partei) bezeichnet man sich als "die Partei der Freiheit und der Selbstbestimmung". Ferner steht in deren Leitbild: "Mehr Chancen durch Freiheit", was in drei Bereiche: "Offenheit für Fortschritt", "Liebe zur Freiheit" und "Faire Spielregeln" aufgegliedert ist.

Im Grundsatzprogramm vom 27.06.2016 der AFD (Alternative für Deutschland) finden wir unter der Überschrift "DEMOKRATIE UND GRUNDWERTE" (Kapitel 1) keine klar präferierten Werte-Begriffe. Dort werden eher Begriffe für negative Werte verwendet und damit die etablierten Parteien ausführlich diffamiert. Später im Text bezeichnet man sich als "Partei des gesunden Menschenverstandes". In der Präambel des Grundsatzprogramms finden wir immerhin folgendes: "Als freie Bürger treten wir ein für direkte Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Föderalismus, Familie und die gelebte Tradition der deutschen Kultur. Denn Demokratie und Freiheit stehen auf dem Fundament gemeinsamer kultureller Werte und historischer Erinnerungen."

Zusammenfassung im Kontext von Wertvorstellungen

Alle hier genannten Parteien haben insbesondere den Wert Freiheit als wesentliche Gemeinsamkeit. Darüber hinaus werden besonders in verbalen Auseinandersetzungen die Begriffe GerechtigkeitSolidarität und Fortschritt (gemeint ist hier wohl eher der konstruktivere Begriff Innovation) verwendet.

Während alle Parteien in ihren Programmen den Begriff "Bürger" verwenden, nutzt die AFD darüber hinaus auch oft den Begriff "Volk".

Im sprachwissenschaftlichen Sinne ist der Begriff Volk veraltet, da er ethnische Komponenten (Ethnie) aufweist und deswegen emotional aufgeladen ist. Etymologisch stammt er aus dem urgermanischen "fulka" (8. Jh.), was "die Kriegsschar" bedeutete.

Der Begriff Bürger stammt aus dem althochdeutschen "burga" ab, was Schutz bedeutet (daher auch der Begriff "Burg").

Aus griechisch "polites" = "Bürger" (der zur Teilhabe am Richten und an der Herrschaft berechtigte) wurde der Begriff "politiká" = "Politik" (alles, was den Bürger und die Stadt - bzw. den Staat - betrifft).



Letzte Bearbeitung am 01.11.2017