Anthroposophie

Der Begriff Anthroposophie ist aus den altgriechischen Wörtern „ánthrōpos“ = „Mensch“ und „sophίa“ = „Weisheit“) zusammengesetzt. Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner (1861 bis 1925) begründete und ist heute eine weltweit vertretene spirituelle bzw. esoterische Weltanschauung. Diese folgt einem von Steiner definierten Ausbildungs- und Erkenntnisweg der die überlieferten Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis[1], fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Steiners Zeit miteinander zu verbinden. Steiner schreibt 1894:

"Alle Wissenschaft wäre nur Befriedigung müßiger Neugierde, wenn sie nicht auf die Erhöhung des Daseinswertes der menschlichen Persönlichkeit hinstrebte. Den wahren Wert erhalten die Wissenschaften erst durch eine Darstellung der menschlichen Bedeutung ihrer Resultate. Nicht die Veredlung eines einzelnen Seelenvermögens kann Endzweck des Individuums sein, sondern die Entwickelung aller in uns schlummernden Fähigkeiten. Das Wissen hat nur dadurch Wert, daß es einen Beitrag liefert zur allseitigen Entfaltung der ganzen Menschennatur. Diese Schrift faßt deshalb die Beziehung zwischen Wissenschaft und Leben nicht so auf, daß der Mensch sich der Idee zu beugen hat und seine Kräfte ihrem Dienst weihen soll, sondern in dem Sinne, daß er sich der Ideenwelt bemächtigt, um sie zu seinen menschlichen Zielen, die über die bloß wissenschaftlichen hinausgehen, zu gebrauchen. Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft."

(Quelle: "Die Philosophie der Freiheit - Grundzüge einer modernen Weltanschauung"; ISBN: 978-3-7274-6271-9, Rudolf Steiner Verlag, Taschenbuch 10. Auflage 2011) 

[1] Gnosis (von altgriechisch γνῶσις, gnō̂sis „[Er-]Kenntnis“ bzw. Wissen) oder Gnostizismus (latinisierte Form des griechischen γνωστικισμός, gnōstikismós) bezeichnet als religionswissenschaftlicher Begriff verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des zweiten und dritten Jahrhunderts nach Christus, teils auch früherer Vorläufer. Der Ausdruck wird auch für verschiedene Konstellationen verwendet, die in wirkungsgeschichtlichem Zusammenhang mit diesen Gruppierungen stehen oder in den vertretenen Lehren Ähnlichkeiten aufweisen.



Letzte Bearbeitung am 05.11.2017