Professionelle „Wertearbeit“

Einige Berufsgruppen beschäftigen sich temporär oder gänzlich mit Werten? Viele machen dies aus beruflichen Gründen, da es entweder

  1. zu ihrem Fachgebiet zählt; z.B. Philosophen, Therapeuten, Coaches, Theologen
  2. oder aus zeitlich befristeten Gründen, wie z.B. Politiker, Personalentwickler, Unternehmer, Manager oder auch Marketingexperten.

Hier haben wir einige Fachgebiete aufgeführt:


Philosophie

Fast alle Philosophen beschäftigen sich mit Werten. Neben der Theologie wurde hier wohl am meisten über Wertvorstellungen diskutiert und Thesen sowie Modelle aufgestellt.

Schon die Philosophen der Antike (z.B. Konfuzius und Platon) hinterließen uns Ansätze für spätere Wertemodelle, die sich im Laufe der Zeit in der Gesellschaft verfestigten.

So entstanden auch die Grundlagen für das Denken im demokratischen Selbstverständnis und in Folge die sog. Zeit der Aufklärung, was – nach einigen teils brutalen Auseinandersetzungen – zur heute recht weit verbreiteten politisch ambitionierte Demokratie geführt hat. 

Siehe hierzu im Glossar den Artikel: „Tugenden“ (insbesondere den Abschnitt Kardinalstugenden) sowie den Artikel „Wertegemeinschaft“.


Psychotherapie

In der Psychotherapie kann das Beschäftigen mit den persönlichen Wertvorstellungen unterstützend sinnvoll sein, sofern der Patient hierfür ausreichende Fähigkeiten zur Selbstreflektion verfügt.


Anthropologie

Die Anthropologie ist die Wissenschaftliche Lehre vom Mensch - aus altgriechisch "ánthrōpos" = "Mensch". Sie ist in viele Einzeldisziplinen untergliedert. Insbesondere die philosophische Anthropologie beschäftigt sich mit Werten, da sie den Mensch nicht nur als biologisches Wesen betrachtet, sondern ihn als selbstbestimmte Persönlichkeit mit individuellen Merkmalen definiert. Die Sozialanthropologie untersucht die kulturelle und soziale Vielfalt und beschäftigt sich mit der Rolle des Menschen in der Gesellschaft.


Theologie

Die Theologie - aus griechisch "theología", zusammengesetzt aus "theós" = "Gott" und "lógos" = "Wort, Rede, Lehre" - beschäftigt sich mit der "Lehre von Gott" und dabei mit spezifischen religiösen Glaubensmodellen und den hierzu existierenden Belegen und Dokumenten. Zunächst mythologisch und später auch Mataphysisch. Platon stellte die kritische "Frage nach der Wahrheit als dem Einen, Guten und Unveränderlichen"; Aristoteles postulierte: "Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen."

In Folge entstand u.a. die Ontologie (Lehre des Seins). Aus diesen Betrachtungen und deren Resultate lassen sich Wertemodelle ableiten, wenn man Erkenntnisse kollektiver Beziehungsmuster, die Motivstruktur einzelner Menschen und die Grundbedürfnisse einer Gemeinschaft von Suchenden und Glaubenden studiert. So sind – durch den Anstoß von Religionen und maßgeblicher Mitwirkung von mehr oder weniger religiösen Philosophen die sog. Kardinaltugenden und Gebote entstanden, welche aus heutiger Sicht klare Wertvorstellungen hervorgebracht haben, die vielen Menschen Orientierung im Leben geben.


Anthroposophie

Der Begriff Anthroposophie ist aus den altgriechischen Wörtern „ánthrōpos“ = „Mensch“ und „sophίa“ = „Weisheit“) zusammengesetzt. Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner (1861 bis 1925) begründete und ist heute eine weltweit vertretene spirituelle bzw. esoterische Weltanschauung. Diese folgt einem von Steiner definierten Ausbildungs- und Erkenntnisweg der die überlieferten Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis[1], fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Steiners Zeit miteinander zu verbinden. Steiner schreibt 1894:

"Alle Wissenschaft wäre nur Befriedigung müßiger Neugierde, wenn sie nicht auf die Erhöhung des Daseinswertes der menschlichen Persönlichkeit hinstrebte. Den wahren Wert erhalten die Wissenschaften erst durch eine Darstellung der menschlichen Bedeutung ihrer Resultate. Nicht die Veredlung eines einzelnen Seelenvermögens kann Endzweck des Individuums sein, sondern die Entwickelung aller in uns schlummernden Fähigkeiten. Das Wissen hat nur dadurch Wert, daß es einen Beitrag liefert zur allseitigen Entfaltung der ganzen Menschennatur. Diese Schrift faßt deshalb die Beziehung zwischen Wissenschaft und Leben nicht so auf, daß der Mensch sich der Idee zu beugen hat und seine Kräfte ihrem Dienst weihen soll, sondern in dem Sinne, daß er sich der Ideenwelt bemächtigt, um sie zu seinen menschlichen Zielen, die über die bloß wissenschaftlichen hinausgehen, zu gebrauchen. Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft."

(Quelle: "Die Philosophie der Freiheit - Grundzüge einer modernen Weltanschauung"; ISBN: 978-3-7274-6271-9, Rudolf Steiner Verlag, Taschenbuch 10. Auflage 2011) 

[1] Gnosis (von altgriechisch γνῶσις, gnō̂sis „[Er-]Kenntnis“ bzw. Wissen) oder Gnostizismus (latinisierte Form des griechischen γνωστικισμός, gnōstikismós) bezeichnet als religionswissenschaftlicher Begriff verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des zweiten und dritten Jahrhunderts nach Christus, teils auch früherer Vorläufer. Der Ausdruck wird auch für verschiedene Konstellationen verwendet, die in wirkungsgeschichtlichem Zusammenhang mit diesen Gruppierungen stehen oder in den vertretenen Lehren Ähnlichkeiten aufweisen.


Logotherapie und Existenzanalyse

Der Begriff Logotherapie ist zusammengesetzt aus griechisch „lógos“ = „Wort, Rede“, insbesondere dessen „Sinn und Gehalt“ und „therapeúein“ = „pflegen, sorgen“); der Begriff Existenzanalyse kann als „Seins-Entdeckung“ übersetzt bzw. interpretiert werden. Beide Begriffe stehen in Kombination für eine anthropologische Theorie und psychologische Behandlungsform, die der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl (1905 bis 1997) begründete.

Frankl stützte seine Theorie auf die drei Seinsaspekte, nach denen der Mensch physisch (leiblich), psychisch (seelisch) und geistig (noetisch) zugleich existiere.

Die existenzanalytische Anthropologie betrachtet den Menschen somit als grundsätzlich entscheidungs- und willensfreies Wesen, das befähigt ist, sich gegenüber seinen inneren und äußeren Bedingtheiten zu verhalten und über sich selbst hinaus auf Sinn und Werte auszurichten. Durch diese potentielle Willensfreiheit und Eigenverantwortlichkeit ist der Mensch aufgefordert, über sich selbst und seine eigene Begrenztheit hinauszugelangen: Zwar ist der Mensch nie frei von Bedingtheiten und Prägungen persönlicher, typologischer, biologischer, sozialer und kultureller Art, doch innerhalb dieser Gegebenheiten trifft er täglich auf unzählige Situationen, die ihn herausfordern, mit ihnen in für ihn bestmöglicher Weise gestaltend umzugehen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Logotherapie_und_Existenzanalyse; 23.08.2017


Coaching

In fast jedem Coaching geht es direkt oder indirekt sowie bewusst oder unbewusst auch um Werte. Da Coaching immer zum Ziel hat, das Bewusstsein für bestimmte Aspekte, Situationen und/oder Zustände zu erzeugen oder zu steigern, ist das Thematisieren der persönlichen bzw. individuellen Werte eine hilfreiche Option.

Die meisten Coaches verwenden deswegen Methoden zur Ermittlung (Entdeckung) dieser Werte.

Aus Zuschriften wissen wir, dass viele Coaches unsere Datenbank der Werte nutzen, um bei der richtigen Definition der Werte-Begriffe Orientierung zu geben.

Meist werden 3 bis 7 (selten mehr) der wichtigsten Werte einer Einzelperson oder einer Gruppe (z.B. in Organisationen) ermittelt, welche dann in Form eines Leitbildes (Wertegerüst, Grundwerte, Leitwerte) eine wichtige Orientierung für die Erarbeitung von Zielen und Visionen ermöglicht. Siehe hierzu auch das Schaubild "Vom Motiv über Werte zur Lebensaufgabe" im Artikel "Was sind Werte" im Abschnitt "Werte als Gerüst für Kulturen".

Wertearbeit ist also für die meisten guten Coaches einer der zielführenden Werkzeuge, um gemeinsam mit dem Coachee dessen intrinsische Motiv-Struktur zu ergründen und daraus die Optionen für konkrete persönliche Ziele abzuleiten.


Politik

Siehe auch Wertegemeinschaften >>

Siehe auch Leitkultur >>


Marketing




Logosynthese


Letzte Bearbeitung am 27.07.2017