Frank H. Sauer über Werte (Prolog)

Persönliche Worte des Herausgebers zum Thema Wertewandel

Wertvorstellungen besitzt der Mensch[1] seit er denken und formulieren kann. Das liegt in seiner Natur. Oft unbewusst, aber er tut es – und zwar jeden Tag. Einige von ihnen haben es sich zum Sport gemacht, darüber konkreter und weiter nachzudenken, als der sprichwörtliche Tellerrand reicht. Meine Intention war es, auch über die Tischkante hinaus zu gehen. Tief einzutauchen in die Welt der Werte. Dass dies intensive Arbeit bedeutet, war mir seinerzeit nicht bewusst.

Nach fast lebenslanger Denkarbeit als Sinnsuchender und über 21 Jahre Aktivitäten als Berater und Coach, mit den mir am Herzen liegenden Themen „persönliche Werte“ und „Unternehmenskultur“ – sowie seit 2014 mit über 1.500 Stunden Arbeit an Wertesysteme.de, ist das vorliegende Werk in seiner ersten Ausgabe fertig. Es ist noch nicht vollendet, aber immerhin ist ein Anfang gemacht. Der Beginn einer sicher auch weiterhin spannenden Reise mit dem Thema Menschliche Wertvorstellungen.

Was Werte sind, und dass man über Werte kontrovers diskutieren kann, ist sicher jedem bewusst, der sich damit auseinandergesetzt hat. Dabei ist das konkrete Beschäftigen mit Wertvorstellungen fast so alt wie das Denken[2] selbst. Bereits in der Antike gab es entsprechende Schriften und Modelle. Von Wertesystemen hatte man sicher noch nicht gesprochen. Aber wohl darüber, dass der Mensch wissen müsse, was ihm sinnvoll und wertvoll erscheint und welche Vorstellungen er darüber pflege sollte.

Insbesondere Philosophen in spirituell oder intellektuell geprägten Zeiten haben sich standesgemäß mit Wertvorstellungen beschäftigt. Dies wird deutlich, wenn man den zahlreichen heute existierenden Überlieferungen Glauben schenkt. Als einige bedeutende Beispiele seien hier auszugsweise die Mayas[3], zahlreiche Naturvölker, Buddha, Konfuzius, Pythagoras von Samos, Paracelsus, Hippokrates von Kos, Platon, Aristoteles, Plotin, Sokrates, Jesus von Nazareth, Mohammed, Meister Eckhart, Leonardo da Vinci, Martin Luther, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Nietzsche, Karl Marx, Rudolf Steiner, Hermann Hesse, Albert Schweitzer, Werner Heisenberg, Albert Einstein, Erich Fromm und Joachim-Ernst Berendt genannt.

Sie hatten eines gemeinsam: die Sinnhaftigkeit der Welt über jeweils bestmögliche Werte und Normen für den Menschen zu definieren, um ein Optimum an Lebensqualität für große Gruppen oder gar die Menschheit zu erreichen. Wie auch immer der Einzelne dies schließlich aus seinem persönlichen, idealistischen Weltbild heraus zu definieren vermochte. Sie hatten sich theoretisch und Thesen schaffend mit Ethik und Moral, aber teils auch praktisch mit Fortschritt und evolutionärem Wandel beschäftigt. Ihre Motive waren die Vision für eine bessere Welt. Ihre bis heute existierenden Widersacher waren persönliche und kollektive Egoismen, wie Macht, traditionelle Dogmen, Ausbeutung, Wucher und systematische Manipulation.

Wir können feststellen, dass sich seither nicht viel geändert hat. Die wichtigste Errungenschaft jedoch ist, insbesondere seit Ende des zweiten Weltkrieges, die seitdem recht gut etablierte und allseits geschätzte Demokratie[4]. Sie ist aber nach meinem Ermessen noch nicht der Zenit der bestmöglichen ethischen Wertschöpfung, denn in der Demokratie wird systematisch gestritten und vereinzelt sogar willentlich bösartig diffamiert. Dies zwar auf diskursivem und moralisch relativ vertretbarem Niveau – also ohne direkte physische Gewalt – aber nicht im Sinne von vorbildlicher und größtmöglich ausgelebter Wertschätzung und Ethik. Und schon gar nicht im Sinne von Menschlichkeit für alle Menschen auf diesem Planeten.

Und doch rückt die Welt immer mehr zusammen. Seit den 1990er Jahren zunächst über neue Informationstechnologien und in Folge aus dem daraus erwachsenen globalen Bewusstsein. Dies bietet zwar nachweislich Chancen für Machthaber und Egozentriker aber gleichermaßen für ethisch und phantastisch denkende Weltverbesserer. Utopien[5] sind heute leichter und schneller realisierbar, Facebook, Google & Co sind erst der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Dem Zeitgeist und dem damit einhergehenden intuitiven Verlangen geschuldet, dürstet es einer wachsenden Anzahl an relativ aufgeklärten Menschen nach gut sortierten Informationen, globaler Kommunikation und Verständigung. 

Mut machen hier die heutigen Vertreter von menschlichen Werten, welche sinnhaftes sowie zunehmend auch sinnstiftendes Gedankengut publizieren und in der Öffentlichkeit darüber reden. Sehr wenig im technisch überholten Fernsehen, aber auf z.B. YouTube und in anderen sozialen Medien – dort „gehen sie viral“[6]. Sie erhalten dabei verhältnismäßig großen Zuspruch – vor allem in eben diesen sogenannten „neuen Medien“. Einige seien hier von mir genannt und gerne für ihre Courage und soziale Intelligenz ausgezeichnet: Pater Anselm Grün, Gerald Hüther, Götz Werner, Sir Ken Robinson, Bill Gates, Richard David Precht, Peter Prange, Jesper Juul, Konstantin Wecker und natürlich viele mehr. Mir ist wichtig zu erwähnen, dass es hier nicht nur um deren Inhalte geht, sondern um das enthusiastische Engagement, mit dem sie sich optimistisch und deutlich zu globalen sozialen Werten bekennen.

Besonders umfangreich ist ein Werk aus dem Jahr 1995, das den Namen „Das Buch der Werte - Wider die Orientierungslosigkeit in unserer Zeit“ trägt. Es wurde herausgegeben vom Theologen und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Ich hatte mit Herrn Schorlemmer eine nette Konversation per Briefwechsel, der sich über meine Arbeit an diesem „großen“ Buch der Werte positiv äußerte. Er gestattete mir großzügig, aus seinem Buch zu zitieren, was ich auf einigen der nachfolgenden Seiten tue. Hier schon mal ein Auszug aus seinem inspirierenden Vorwort (Seite 18 des Taschenbuchs): 

„Ein wertvolles Leben ist ein Leben das Werten folgt, die einem Menschen sein Leben so sinnvoll wie (be-)glückend erscheinen lassen: Wenn er nämlich in aller seiner Zwiespältigkeit Heilsein erfährt, wenn er die Fixierung auf das Eigene überschreitet und sich ganz einem anderen zuwendet, wenn die Berechnung aufhört und Selbstlosigkeit beginnt, wenn der Erfolg die Folgen mitbedenkt, wenn das Sein-Können das Haben-Wollen aufhebt, wenn der Frieden mit sich selbst im Frieden mit allem ruht, wenn die Tapferkeit vor dem Freund größer wird als die Angst vor dem Feind, - dann wird Leben so sinnvoll wie glückend.“

Zur gleichen Zeit erschien „Das Buch der Tugenden“ von Ulrich Wickert. Eine sehr umfangreiche Sammlung von Verhaltensregeln, Tugenden und Werten mit einem Streifzug durch die Geschichte des Anstands und der Vorstellungen von Ethik und Moral. Bemerkenswert ist u.a. der umfangreiche Briefwechsel zwischen dem Philosophen „Günther Anders“ und einem der Hiroshima-Piloten „Claude R. Eatherly (erkundete am 06.08.1945 die Wetterbedingungen über Hiroshima kurz vor dem Abwurf der Atombombe.

In seiner Einleitung im Buch schreibt Wickert:

„Ohne Ethik kann keine demokratische Gesellschaft bestehen. Ethik bestimmt nun einmal, was in einer Gesellschaft als gut oder böse angesehen wird, und dies zunächst im vorgesetzlichen Raum. Stellen wir uns die Ethik als ein Uhrwerk vor, das nur pünktlich läuft, wenn die Einzelteile stark genug und ihre Verbindungen festgeschraubt, gut geregelt und geschmiert sind. Eine Ethik bildet sich durch die Erkenntnis einer Gesellschaft, daß sie sich auf gemeinsame Regeln verständigen muß, weshalb sie bestimmte Verhaltensweisen und Ziele als nützlich und gut, andere aber als schädlich und schlecht bezeichnet. Inhalte von Ethik und Moral sind Werte und Tugenden. Ein Wert im kaufmännischen Verständnis bedeutet Gegenwert, Geld- oder Tauschwert; im ethischen Sinn versteht man unter einem Wert eine sittliche Idee oder Forderung, die zu befolgen jedes Mitglied der ethischen Gemeinschaft unabhängig von seinen eigenen Gelüsten oder Vorteilen anerkennt. 

Der erste Wert einer jeden Ethik ist die Würde des Menschen, denn von ihrer Respektierung geht jede Entscheidung zwischen Gut und Böse aus. Die Anzahl ethischer Werte und Tugenden läßt sich in keiner Liste abschließend aufzählen. Je nach dem Stand der Erkenntnis und dem Zustand einer Gesellschaft entwickeln sich neue Werte und Tugenden, verändern sich alte, wandeln andere ihre Bedeutung. So wurde aus der aristotelischen Tapferkeit die heutige Zivilcourage.“

(Gebundene Ausgabe 1995, Seite 31 und 32)

Der schweizerische Philosoph Andreas Urs Sommer hat mit seinem Buch „Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt“ eine provokante Diskussion angestoßen – welche von intellektuellen Medien gerne aufgegriffen wird.

Sommer bezeichnet Werte als „Reflextionsmedium“ und „regulative Fiktionen“. Im September 2016 sagte er in einem ausführlichen Interview  beim WDR 5 hierzu:

„Man sollte sich vor allen Dingen von der Vorstellung verabschieden, dass die Werte etwas sind, was eben an sich und für immer dasteht, sondern die Werte sind ein Reflexionsmedium, sollten es sein und als solches halte ich sie für ausgesprochen nützliche - ich habe mal gesagt regulative Fiktionen - also Dinge die wir uns erdacht haben, die wir uns erschaffen haben, als Menschen für Menschen aber nicht etwas, was es einfach so gibt, sondern das es gibt, weil wir als Gesellschaft und als Individuum bestimmte Bedürfnisse haben und diese Bedürfnisse sich auch verändern und entsprechen verändern sich die Werte.“

Sommer unterstreicht, dass es das Ideal an Wertvorstellungen nicht gibt und dass Gruppen hierbei flexibel bleiben sollen. Insgesamt hat er – wie ich meine – den komplexen Kern des Themas Werte erkannt, aber leider keine nützlichen Ratschläge für die Praxis geliefert, weder für einzelne Personen noch für Organisationen.

Der Schriftsteller Peter Prange schreibt in seinem Buch „Werte: Von Plato bis Pop - Alles, was uns verbindet“ (Erstausgabe 2006; 2016 Fischerverlag) im Kapitel „Unser Wertekosmos“:

„Wertorientierung als Voraussetzung für individuelle Entscheidungen und als Bedingung für das Zusammenleben in großen Gruppen sind immer schon vorhanden, sie gehen jedem Einzelnen von uns voraus und prägen unsere Sozialisation, und gleichzeitig trägt jedes Mitglied einer Gesellschaft zur Entwicklung des Wertesystems bei.“

Wir sehen also, dass sich vor allem intellektuelle, belesene sowie klassisch gebildete Menschen mit dem Thema Werte beschäftigen. Somit finden diese aufklärerischen Diskussionen erneut nur in kleinen Kreisen statt, die sich somit zwangsläufig nur mit sich selbst beschäftigen und – wie wir aus der Geschichte wissen – mit dem „gemeinen Bürger“ keinen wirklichen diskursiven Kontakt haben. Ein offener Austausch dieser doch sehr unterschiedlichen „Ebenen“, verbunden mit gegenseitigem Respekt und Verständnis, wäre förderlich für ein konstruktives Miteinander und die ganze Gesellschaft.

Auch das sogenannte Establishment - allen voran Politiker und Konzernführer - nehmen den Begriff Werte zwar ständig in den Mund, ohne aber zu wissen, was er tatsächlich bedeutet. Wahrscheinlich ist das der Grund, weswegen sie nicht konkret werden, wenn es darum geht, sich selbst die Frage zu stellen, was dies vor allem für sie selbst bedeuten könnte.

Genau hier wollen wir mit unserem Projekt „WERTE21“ – und insbesondere mit diesem Buch – diese Lücken schließen: Wir wollen als Vermittler fungieren, indem wir nicht erhobenen Hauptes aufklären, sondern Bewusstsein schaffen. Wir wollen:

  1. möglichst genau und verständlich erklären, was Werte sind,
  2. einen Fokus auf die Bedeutsamkeit und Anwendbarkeit jedes Wertebegriffes für jeden Einzelnen legen,
  3. recht pragmatisch dafür sorgen, dass dies alles anwendbar, statt nur theoretisch perfekt ist – und
  4. uns als Experte und Sparringspartner für Wertediskussionen und konkreter Wertearbeit zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus stehen wir unseren Lesern und Feedbackgebern offen gegenüber, indem wir deren Input ernst nehmen und selbstkritisch alles optimieren, was nach den hier aufgeführten Prämissen zielführend ist.

Nun aber zur konkreten Frage: Was könnte heute und nach den Regeln der kollektiven Evolution erfolgen – bzw. der nächste Schritt zur Besinnung sein, um Glückseligkeit für die größtmögliche Anzahl von Menschen herzustellen bzw. zu ermöglichen? Dieser Frage bin ich ausgiebig nachgegangen und habe sie zunächst konkretisiert:

Was folgt dem globalen Zeitalter der Information? Einem Zeitalter, das unfassbare, ständig wachsende Mengen an Informationen konfrontativ, unsortiert sowie penetrant und als scheinbar wichtig gekennzeichnet produziert und dann auf möglichst viele Menschen einprasseln lässt.

Einige Psychologen sehen die wachsende Flut an unsortierten und nicht gewichteten Informationen als Hauptgrund für das zunehmende Burnout-Syndrom. Meine Forschungen haben ergeben, dass es daneben einen weiteren Grund für Burnout und ähnliche Symptome gibt: Die Verletzung der persönlichen Integrität: Das allgemeine Geringschätzen und stark vernachlässigte Ausleben der wesentlichen eigenen Wertvorstellungen, welche von innen heraus (intrinsisch) motiviert sind.

Innerlich seit jeher getrieben, wollte ich deswegen, als intuitiven aber auch pragmatischen Beitrag, ein Werk schaffen, welches nicht den Kodex selbst, sondern die möglichst konkrete und genaue Kodifizierung des längst vorhandenen Wissens dieser lebenswerten Menschlichkeiten zusammenfasst und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Jeder Mensch soll verstehen, was Werte sind, welchen Sinn sie haben und was diese für ihn selbst als Person sowie im Zusammenleben (interdisziplinäres Agieren) mit anderen Menschen bedeuten.

Neben meiner Arbeit als Coach und Dozent baute ich seit 2014 dieses Onlineportal der Werte auf. Ein weiterer Schritt ist "Das Große Buch der Werte", welches nicht den Anspruch hat perfekt zu sein, sondern „bestmöglich“, zum jetzigen Zeitpunkt für ein zumindest etwas besseres Verständnis über das, was das Leben wertvoll macht: bewusste Wertvorstellungen – und das, was daraus erwachsen wird.

Es ist von großem Nutzen, sich darüber Gedanken zu machen, was wirklich wichtig ist im Leben. Für Einzelne aber auch deren Umfeld und vor allem für die Gemeinschaften, in denen wir als Individuum existieren – oder besser: leben.

Dass dies nicht so einfach gelingt, wie man sich das wünscht, liegt daran, dass in unserem Unterbewusstsein bestimmte Wertesysteme eingeprägt sind. Wir wurden durch unsere Erziehung, die Schule und Informationen aus der Umgebung darauf konditioniert. Diese Grundwerte, Tugenden und Riten wurden maßgeblich durch institutionelle Religionen geprägt und über Generationen überliefert. Sie sitzen so tief, dass sie uns im Erwachsenenalter unbewusst steuern. Sie steuern die Art, wie wir fühlen, denken, sprechen (formulieren) und handeln.

Weltweit wurde von organisierten Religionen zwar viel Gutes gepredigt, aber sie sind historisch betrachtet institutionell und dogmatisch sowie zeitweise kriegerisch, missverständlich, herabwürdigend und missgünstig. Und vor allem: sie sind (waren) nicht wirklich weltoffen – in Teilen barmherzig, aber nicht weltoffen. Dies ist der memetisch[7] tief sitzenden „Erbsünde“ oder auch einem „Karma“ geschuldet sowie der verbreiteten Ansicht, dass der Mensch ein Sünder[8] und kein Schöpfer[9] sei.

Der Begriff Religion bedeutet „zurückbinden, anbinden, festbinden“ (aus lateinisch „religo“ und „religare“) – also quasi das Pendant von Evolution, von nach Vorne ausgerichtetem Denken, dass die Zukunft besser machen möchte, anstatt in Traditionen zu verharren. 

Institutionelle Religionen besitzen in ihrem nachhaltigen Wirken nur selten global ethische Intelligenz, da sie mit Andersgläubigen eine harmonische Beziehung in Eintracht bezweifeln oder ablehnen. Ob das der Grund für zahlreiche Ehrenmorde, Kreuzzüge, terroristische Anschläge oder Ähnliches ist mögen andere beurteilen. Es scheint so, dass der in seinem Kern nicht organisierte und politisierte Buddhismus die Tugenden, mit denen man Frieden, Freiheit im Geiste, Toleranz, Nächstenliebe, Selbstachtung und Weisheit aufbauen kann, beherbergt. Vielleicht ist das der Grund, warum es immer mehr Menschen aus der sogenannten westlichen Welt zu diesen Weisheiten und deren Rituale hinzieht.

Reiki, Yoga, Quigong, Feng Shui, Ayurveda, Tai-Chi, Meditation und sogar Unani boomen und machen den traditionell westlichen akademischen Schulweisheiten mächtig Konkurrenz. Ebenso auch die Überbleibsel der durch Europäer ausgerotteten Naturvölker, welche – z.B. über den Schamanismus – großen Zulauf haben. 

Und möglicherweise ist der neue und überraschend pragmatisch bescheidene Papst „Franziskus“ ein wichtiges Bauteil des von mir postulierten Wandels. Vielleicht initialisiert er Luthers ursprünglichen Wunsch, die katholische Kirche sich selbst, von innen heraus zu reformieren und damit die vor 500 Jahren extern stattgefundene Reformation nur als Übergangslösung eines geistig evolutionären Schrittes bewusst zu machen.

Wir brauchen mehr Non-Konformismus und das unschuldige „Infragestellen“. Die dazu intuitiv intelligenteste Frage der Welt wird weltweit am meisten gestellt – am Häufigsten von Kindern. Es ist die Frage nach dem „Warum“. Die „Warum-Frage“ ist nicht nur bloße Neugierde oder nervenaufreibendes Gefrage, sondern evolutionsbedingte Ursachenforschung

In einer oberflächlichen Welt, die keine Zeit für ausgefeilte und kluge Antworten hat, kann das anstrengend sein. Kinder fragen scheinbar sinnloses, wie z.B.: „Warum ist der Ball rund“ – oder noch besser: „Warum ist blau blau?“. Obwohl ein Erwachsener mit dem Beantworten dieser Fragen zum Helder der „Kleinen“ werden könnte, machen sich nur Wenige die Mühe, darüber nachzudenken und mit Leidenschaft eine vorläufig befriedigende Antwort zu liefern.

Eine Warum-Frage beinhaltet das Motiv, Normen und Werte zu ergründen, welche dem jeweiligen Bereich zugrunde liegen. Oder wie Friedrich Nietzsche es formulierte: „Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE.“

Scheinbar weiß ein junger Mensch intuitiv, dass es wichtig ist, die Spielregeln zu kennen, um das Spiel des Lebens zu spielen. Viele Erwachsene haben dafür allerdings wenig Muße und antworten nur oberflächlich. Damit säen Sie die geistige und intellektuelle Saat, die ihre Nachkommen zu den gleichen oberflächlichen Menschen werden lässt. Das ist nicht Evolution – im Sinne von lateinisch „evolvere“ = Heraus- oder Weiterentwicklung, Entfaltung – sondern Stillstand oder gar Degeneration.

"Nach einem Warum fragen, ist der achtsamste Schrei nach Freiheit."

(aus dem Intuistik-Coaching-Handbuch; Frank H. Sauer, 2014)

Da es hier um Werte geht und wir wissen, dass Werte stets aus bestimmten Grundmotiven erfolgen, ist es wichtig, sich mit den Ursprüngen von menschlichen Wertvorstellungen zu beschäftigen. Und deshalb ist die Warum-Frage eine wichtige und intelligente sowie zuweilen auch die schönste Frage der Welt.

Nun ist es angebracht die Frage zu stellen: „Warum gibt es Werte?“ Und konkreter: „Was ist ihr Sinn und Zweck?“ Ich gehe bestenfalls davon aus, dass diese Frage dem zugeneigten Leser während der Lektüre – oder besser: dem interessierten Querlesen und Studieren – dieser Webseite beantwortet wird.

Wenn nicht – oder auch sonst – stehe ich Ihnen gerne für Fragen zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Ihr Frank H. Sauer

(Köln, im März 2018)


Fußnoten

[1] Der Mensch: das höchstentwickelte Lebewesen, das gesellschaftlich lebt und arbeitet, die Fähigkeit zu denken und zu sprechen hat, die Welt in ihrer Gesamtheit erkennen und nach dem Maß seiner Erkenntnis planmäßig verändern und gestalten kann. (Quelle: dwds.de)

[2] Die Mayas: ein sog. „indigenes“ Volk in Mittelamerika, welches um 3000 v. Chr. entstand und heute vor allem durch sein erstaunliches Wissens sowie der daraus hervorgegangenen hochentwickelten Kultur bekannt ist. Deren Rituale und Zeremonien basierten auf astronomische und irdische Zyklen der Natur, indem sie wiederkehrende Vorgänge erkannten und in drei verschiedene Kalender verzeichneten, welche sie in einer numerischen Beziehung vereinten.

[3] Das Denken: aus althochdeutsch „thenken“ = „geistig arbeiten“; es denkt nicht das Gehirn, sondern das Wesen als solches; als Kausativum im Ablaut verwandt mit „Gedanken“ und „Dank“; wiederum abgeleitet in „dünken“ = „einbilden“ (heute eher „ausdenken“).

[4] Demokratie: Aus griechisch "dēmos" = "Staatsvolk" und "kratós" = "Macht, Herrschaft". Eine Herrschaftsform der politischen Ordnungen bzw. politischer Systeme, in denen die Macht vom Volk ausgeht; unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungsbefugter Repräsentanten. Demokratie zeichnet sich insbesondere durch freie Meinungsäußerung, freien Wahlen (mit Mehrheitsprinzip), dem Schutz von Bürgerrechten, einem Minderheitenschutz, der Akzeptanz einer politischen Opposition sowie dem Schutz von menschenwürdigen Grundrechten aus.

[5] Utopie: eine Idee, die so wirklichkeitsfern oder fantastisch ist, dass man sie scheinbar nicht verwirklichen kann.

[6] Virales Publizieren heißt, dass in den neuen Medien an sog. Follower gesendet wird, die wiederum interessante Botschaften in ihren jeweils eigenen Freundeskreis „teilen“. So entsteht ein viraler Effekt, ähnlich einer Zellteilung, die durch Verdoppelung (Teilung) ein exponentielles Wachstum (Verbreitung) zur Folge haben kann. 

[7] Mem (Memetik): Manifestierter Inhalt des Bewusstseins (zum Beispiel ein Gedanke), der durch Kommunikation überliefert bzw. vererbt wird und sich ähnlich wie ein Virus verbreiten kann. Ein Mem ist das soziologische Äquivalent zum Gen, welches biologisch vererbt bzw. überliefert wird. „Meme“ beeinflussen die kulturelle Evolution.

[8] Sünder (mit Sünde behafteter Mensch): Ein von Religionen geprägter Begriff, der einen Menschen pauschal und in seinem Grundwesen als Unvollkommen und in Teilen böse denkend bewertet. Als Ergebnis ist der an dieses Dogma glaubende (konformistische) Mensch reuig (büßig) und folgt eher Normen und Dogmen, statt selbstbestimmten Wertvorstellungen.

[9] Schöpfer: Ein kreatives Wesen (welcher Natur auch immer), das ein hohes Bewusstsein über nutzbringende Tatkraft besitzt und dabei seine Intuition und das ethisch wichtige Wissen nutzt, um Wertschätzung in Wertschöpfung zu transformieren.


Letzte Bearbeitung am 13.04.2018

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