idealistisch


Synonyme

Wortformen: Idealismus, Idealist

optimistischoptimierend, moralisch, ethisch, pathetisch, humanistisch, positivistisch, idealisierend, romantisch, utopisch

gesteigertbegeistert, leidenschaftlich, inbrünstig

ähnlich: schwärmerisch, andächtig, altruistisch

negativ: unrealistisch, weltfremd, irreal, wirklichkeitsfern, wirklichkeitsfremd

Antonym: materialistisch, realistisch

Englisch: idealistic


Wortherkunft

Aus spätlateinisch "idealis" = "dem Urbild entsprechend" und ab 14. Jh. bei Gelehrten auch "gedanklich, nur geistig existent"; abgeleitet aus lateinisch "idea" = "Idee, mustergültige Form"; seit ca. 1800 wird "ideal" (vorübergehend später auch "idealisch" = "nur Gedacht") = "vorbildlich, mustergültig" als Adjektiv verwendet.


Definition

Gedachte und/oder erstrebte Vorbildlichkeit, um einem Ideal oder einer Idealvorstellung gerecht zu werden bzw. diese zu erreichen; mitunter auf altruistische Weise.

Idealismus (ein Begriff der Philosophie; seit dem 18. Jh.): Das geistige Streben nach Verwirklichung von moralischen oder zumeist ethischen Idealen; meist wird dabei auf persönliche Vorteile verzichtet.


Beschreibung

idealistisch

Idealistisches Denken und Handeln beruht auf einer Geisteshaltung, die auf das Erreichen von Idealen ausgerichtet ist.

Ein idealistischer Mensch - ein sog. Idealist - strebt mit einem Großteil seiner Vorstellungen danach, Ideale zu verwirklichen. Diese Ideale entstammen seinen eigenen Wertvorstellungen, aber auch den Werten einer Gemeinschaft (mit tatsächlichen oder vermeintlichen Merkmalen von ethischer Weltanschauung), welcher er sich verpflichtet hat.

Diese Ideale haben meistens einen Charakter von Sinnhaftigkeit und Natürlichkeit.

Die philosophische Betrachtung dieser gänzlich oder auch temporär grundlegenden Haltung wird in den Thesen und Postulaten des sog. "Idealismus" erklärt.

Idealismus

Der Idealismus stammt ursprünglich aus einer Theorie (der "Ideenlehre") von Platon, der darin den Ursprung der Wirklichkeit in Ideen sieht. 

Es ist ein Begriff aus der Philosophie (ein sog. "-ismus"). 

Die heute sog. "platonische Ideen" werden als "gedankliche Einfälle und Vorstellungen verstand, die den Charakter von Leitbildern besitzen.

Das bedeutet, dass die Wirklichkeit dadurch entsteht, wie wir sie wahrnehmen und nicht dadurch, wie die Umwelt auf uns wirkt.

Erkenntnisse und Gedanken bilden demnach das Fundament des Seins und beeinflussen (bilden) somit unser Wissen und unsere Moral. Wir bestimmen also die Wirklichkeit durch unser Erfassen.

Deutlich wird diese "idealistische" Denkweise z.B. bei optimistischer Betrachtung sowie Bewertung eines von anderen Menschen als negativ behafteten Szenarios. Dies erzeugt im besten Fall ein lösungsorientiertes, konstruktivistisches Denken und Handeln.


Zitate

"Ein Idealist muß nicht dumm sein, aber enttäuscht wird er immer sein."

Oscar Wilde (1854 bis 1900); eigentlich Oscar Fingal O'Flahertie Wills, irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor.

"Der Idealismus ist der Glaube an Ur-Ideen, die Urbilder des Guten und Rechten, des Wahren und Schönen, Ur-Ideen, welche dem Menschen nicht eingeboren sind, sondern die er sich vielmehr auf dem mühsamen Wege vieltausendjähriger Kulturarbeit aneignen musste."

Johannes Scherr (1817 bis 1886); deutscher Kulturhistoriker und Schriftsteller.

"Ein Idealist ist ein Mensch, der anderen Menschen dazu verhilft, zu Wohlstand zu gelangen."

Henry Ford (1863 bis 1947); amerikanischer Industrieller

"Da alle Dichtung eine freie Schöpfung des Geistes ist, so hat das Prinzip des Idealismus höhere Berechtigung als das des Realismus, welcher diesen freischaffenden Geist an die Galeerenbank der Wirklichkeit schmiedet und zur sklavischen Nachahmung der Natur verdammt."

Rudolf von Gottschall (1823 bis 1909); deutscher Schriftsteller

"Wenn der Idealist in die Tasche greifen soll, wird er unwillkürlich Realist." Emanuel Wertheimer (1846 bis 1916); deutsch-österreichischer Philosoph und Aphoristiker ungarischer Herkunft.


In den Medien

Was ist Idealismus? Philosophisches Kopfkino

Veröffentlicht am 26.10.2010 - 3sat (scobel)

Laut Platon basiert unsere Wirklichkeit auf Ideen. Die Dinge, wie wir sie erfahren, sind nur ihre Abbilder. Allerdings stellte für Platon der Begriff Idee mehr da: es ging um das Wesen aller Dinge, das was wir vor unserem Leben in einer Idealwelt gesehen haben und an das wir uns wieder erinnern.


Grundeinkommen - Ist das Menschenbild zu idealistisch?

Veröffentlicht am 05.04.2012

Eine interaktive Dokumentation über das bedingungslose Grundeinkommen. Das Projekt auf www.bge-interaktiv.de 


Literatur

Der Deutsche Idealismus: Eine Einführung in die Philosophie von Fichte, Hegel und Schelling

Taschenbuch, August 1997 von Gerhard Gamm (Autor)

Diese Einführung setzt sich zwei Ziele: Erstens die Erschließung der kanonischen Texte von Fichte (die frühe und die späte Wissenschaftslehre u. a.), Hegel (Phänomenologie des Geistes, Wissenschaft der Logik, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, Philosophie des Rechts) und Schelling (Ideen zu einer Philosophie der Natur, System des transzendentalen Idealismus, Grundlegung der Positiven Philosophie u. a.); zweitens die Rekonstruktion des Diskussionszusammenhangs zwischen Idealismus und Moderne bzw. Gegenwartsphilosophie. Ein wichtiges Kapitel der Philosophiegeschichte, aus heutiger philosophischer Perspektive betrachtet.

Reclams Universal-Bibliothek


Schiller oder die Erfindung des Deutschen Idealismus

Hörbuch - gekürzte Ausgabe; Rüdiger Safranski (Autor, Sprecher), Deutschland Random House Audio (Verlag)

Friedrich Schiller: Jugendliches Genie, Revolutionär, Dichter. Rüdiger Safranski entstaubt in seiner großen Schiller-Biographie eine der schwungvollsten Gestalten unserer Literatur. Friedrich Schiller läutete mit seinem Enthusiasmus die Epoche der deutschen Geistesgeschichte ein, die man später den "Deutschen Idealismus" genannt hat. Mit diesem großen Buch über Schillers Leben und Denken könnte seine Renaissance beginnen.

©2004 Carl Hanser Verlag (P)2013 Random House Audio, Deutschland



Letzte Bearbeitung am 20.08.2017

Autoren: Florian Sauer, Jamila Vidas, Frank H. Sauer

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