Ästhetik


Synonyme

Wortformen: ästhetisch, Ästhet, Ästhetin, Ästhetiker, Ästesie

Formgefühl, Geschmack, Kultur, Kunstverständnis, Schönheitssinn, Stil, Stilgefühl, ansprechend (ästhetisch)

ähnlichAnmut 

Englisch: aesthetics (Philosophie, Kunst), aesthetic (schön, schöngeistig)


Wortherkunft

aus griechisch "aisthētikḗ (téchnē)" = "Wissenschaft vom sinnlich Wahrnehmbaren" und "aisthētikós" = "wahrnehmend sowie "aisthánesthaí" = "wahrnehmen, empfinden"


Definition

Theorie und Philosophie der sinnlichen Wahrnehmung in Kunst, Design, Philosophie und Wissenschaft.

Eine als Teilgebiet der Ästhetik angesehene Lehre, welche sich ausschließlich mit sehr schönen Dingen beschäftigt, nennt man "Kallistik" (benannt nach der griechischen Nymphe "Kallisto" = die Schönste)


Beschreibung

Unter Ästhetik wird allgemein verstanden:

  1. die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit,
  2. die Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst,
  3. die Lehre von den Wahrnehmung in Verbindung mit sinnlichem Anschauen.

Die Wissenschaft definiert den Begriff Ästhetik als das "Sortiment" an Eigenschaften, die Menschen dabei helfen, wahrgenommene Gegenstände zu bewerten. Einige Wissenschaften differenzieren dabei zwischen "anziehend" oder "abstoßend".

Insbesondere Alexander Gottlieb Baumgarten (17.07.1714 bis 27.05.1762) hat die Ästhetik in Deutschland als eigenständige philosophische Disziplin etabliert. In seiner Schrift "Aesthetica" (1750/58) definiert er die Ästhetik als die „Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“. Er erhob damit die "sensitive" über die "rationelle" Erkenntnis.

(Siehe auch Literaturhinweis weiter unten)

Ästhetische Proportionen

Die Form eines Objektes oder Subjektes ist dann ästhetisch, wenn es unsere Sinne beim Betrachten bewegt (Emotion), was oft mit den Proportionen dieser Gestalt (zwei- oder dreidimensionale Form oder auch Bewegungsabläufe in Raum und Zeit) einhergeht.

Diese Proportionen finden wir deutlich in mathematischen Berechnungen des Architekten Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, ca. 75 v. Chr. bis 15 v. Chr.) - nach dessen Theorie Leonardo da Vinci die heute wohl berühmteste Skizze „Der vitruvianische Mensch“ gezeichnet hat.

Goldener Schnitt (Quelle: Wikipedia; 2017)
Goldener Schnitt (Quelle: Wikipedia; 2017)

Im 19. Jahrhundert wurde u.a. auch daraus resultierend als wichtigste Proportion, die für Schönheit bzw. Ästhetik (und teilweise auch Funktionalität) der sog. "Goldene Schnitt" (lat. "proportio divina" = "göttliche Teilung") benannt, welcher bereits in der griechischen Antike - durch den griechischen Mathematiker Euklid (3. Jh. v. Chr.) - bekannt war.

Der Goldene Schnitt wird mit dem griechischen Buchstaben "Phi" dargestellt bzw. symbolisiert und gilt als die irrationalste Zahl. Sie hat ein Verhältnis von ca. 61,8 % zu ca. 38,2 % bzw. 1:1,618033988...

Diese mathematische Proportion findet sich nicht nur im menschlichen Körper, sondern auch in der Natur immer wieder. Fast alle "natürlichen" Körper und Körperteile sind mit dieser Proportion "konstruiert".

Auch Schönheitschirurgen kennen diese Zahl und verwenden sie beim Korrigieren bzw. Optimieren von Körperteilen Ihrer Patienten.

Ästhetische Harmonik

Die Harmonik (aus altgriechisch "harmonía" = "Ebenmaß, Harmonie") - auch Harmonielehre genannt - ist ein Begriff aus der Akustik, insbesondere der Musik. Im Unterschied zu Rhythmus und Melodie wird hier das "gleichzeitige Erklingen" von unterschiedlichen Tönen untersucht und definiert. Gleichzeitig zusammenklingende Töne nennt man in der Musik Akkorde (harmonischer Gleichklang), z.B. Dur- oder Moll-Akkorde, die unterschiedliche ästhetische Aspekte besitzen (akustische Temperatur). Meist gebräuchliche Akkorde sind Dreiklänge (drei Töne gleichzeitig) in bestimmter Abfolge, welche - neben Melodie und Rhythmus - den Charakter eines Musikstückes ausmachen.

Innerhalb von Akkorden schwingen bestimmte Konstellationen von Intervallen, die in ein Verhältnis zueinander gesetzt werden können. Besonders harmonisch sind die Oktave, die Quinte sowie die kleine und große Terz. 

Ästhetische Farben

Genau wie akustische Töne, besitzen optische Töne (Farben, sichtbare Frequenzen) auch Intervalle. In diesem Konzept-Muster passen ganz bestimmte Farben "harmonisch" zusammen.

Mathematisch gesehen "stimmen" bestimmte Farben mit akustischen Tönen sowie auch mit geometrischen Proportionen überein, so dass diese aus ästhetischen Aspekten miteinander kombiniert werden können, um damit eine multiple sinnliche Wahrnehmung zu erzeugen.


Zitate

"Leautauds 'Es gefällt mir oder gefällt mir nicht' hat oberstes Prinzip jeder Ästhetik zu sein. Das Warum ist zweitrangig."

Ludwig Marcuse (08.02.1894 bis 02.08.1971); deutsch-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

"Ethik ist die Lehre vom Schönen in uns, Ästhetik die Lehre vom Schönen um uns."

Richard Graf von Coudenhove-Kalergi (16.11.1894 in Tokio bis 27.07.1972 in Schruns, Österreich); japanisch-österreichischer Schriftsteller, Politiker und Gründer der Paneuropa-Union; erster Träger des Karlspreises

"Ästhetik heilt besser denn jegliche Psychologie."

Christian Ferch (1966); deutscher Philosoph

"Ist nicht unser ästhetischer Sinn das einzige, wahre Ewige in uns?"

Sophie Mereau (27.03.1770 als Sophie Friederike Schubart in Altenburg bis 31.10.1806 in Heidelberg); wiederverheiratete Brentano; Schriftstellerin der deutschen Romantik

"Ästhetische Vorschriften existieren für mich nicht. Was auf mich wirkt, wirkt."

Theodor Fontane (30.12.1819 in Neuruppin bis 20.09.1898 in Berlin); deutscher Schriftsteller; gilt als literarischer Spiegel Preußens und als bedeutendster deutscher Vertreter des Realismus


In den Medien

Vorlesung "Ästhetik" von Richard David Precht an der Leuphana Universität Lüneburg (2014)

"Die Ästhetik ist eine philosophische Wissenschaft. Ihr Gegenstand ist das ästhetische Erleben. Mit Baumgartens "Aesthetica" tritt in der Mitte des 18. Jahrhundert der erste Versuch hervor, die Gesetze der sinnliche Wahrnehmung zu beschreiben und eine Erklärung dafür zu geben, warum wir etwas "schön" finden. Fortgesetzt wird dieser Versuch in Kants "Kritik der Urteilskraft", die die Struktur des ästhetischen Urteils freilegt. In Hegels "Vorlesungen über die Ästhetik" wird die Ästhetik zur Kunstphilosophie und weiterhin Teil von Hegels geschichtsphilosophischer Weltausdeutung. Auf Hegel aufbauend, aber auch auf Marx und Freud entwirft Adorno seine "Ästhetik der Negativität". In der Gegenwart tragen vor allem die Semiotik und funktionalistische Bedeutungstheorien, wie jene von Nelson Goodman, dazu bei, Phänomene wie Ästhetik oder Kunst schärfer zu fassen und zu analysieren." (Quelle: Website "Leuphana Universität Lüneburg")


Literatur

Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band

Gebundene Ausgabe – 10. August 2015 - von Douglas R Hofstadter (Autor), Gero Randow (Vorwort)

 »Gödel, Escher, Bach« ist vielleicht das ungewöhnlichste Buch des letzten Quartals des 20. Jahrhunderts. Wie oft geschieht es, dass ein bis dato völlig unbekannter Autor in monomanischer Obsession ein paar hundert Seiten schreibt und damit die geistige Welt revolutioniert? Ein Buch, das über Nacht zum Kultbuch und Bestseller wird und sein Autor zum Mythos?

Dies ist Anlass, sich erneut eines der ungewöhnlichsten Sachbücher aller Zeiten vorzunehmen. Douglas R. Hofstadter und Gero von Randow führen in das Buch ein und begleiten die Lektüre eines der verblüffendsten und erhellendsten Bücher, das je geschrieben wurde.



Theoretische Ästhetik: Die grundlegenden Abschnitte aus der "Aesthetica" (1750/58)

Lateinisch - Deutsch (Philosophische Bibliothek) 

Gebundene Ausgabe (15. Dezember 2013) von Hans R Schweizer (Herausgeber, Mitwirkende, Übersetzer), Alexander G Baumgarten (Autor)

"Mit der Veröffentlichung der 'Aesthetica' löste Baumgarten ein, was er in seiner Metaphysica (PhB 351) im Ansatz formulierte: 

die Ästhetik als eigenständige Disziplin, das ist als 'Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis', systematisch zu begründen und zur Darstellung zu bringen. Der Impuls, der davon ausging, hatte wirkungsgeschichtlich zunächst nur als Entwurf einer besonderen Philosophie der Kunst breite Resonanz. Das eigentliche Ziel war jedoch sehr viel weiter gesteckt: Gegen Wolff, der die Formen der 'sinnlichen Erkenntnis' noch dem 'unteren Erkenntnisvermögen' zurechnete, erweist Baumgarten das Eigenrecht der sensitiven gegenüber der rationalen Erkenntnis."



Letzte Bearbeitung am 30.08.2017

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