Werte-Kategorien

Über die unterschiedlichen Möglichkeiten, Werte miteinander ins Verhältnis zu setzen und die Komplexität von Wertesystemen.

Werte sind nicht gleich Werte. Fragt man jemanden nach seinen Werten kommt meist auch die Bemerkung, dass das ja relativ sein. Und das ist richtig. Wertesysteme sind dynamische und mehrdimensionale Gebilde aus subjektiven Vorstellungen, Synonymen und Bedeutungen, die das Ganze ziemlich komplex machen.

Versuchen wir zunächst die Arten und "Systemsektionen" zu kategorisieren, bevor wir uns mit den Wirkmechanismen beschäftigen:

Welche Rolle(n) spielen wir?

Wertvorstellungen liegen im Auge des Betrachters. Ja nach Aufgabe, Machtposition, Rolle oder Lebenssituation ändern sich die Gewichtungen und die Auswahl der Werte z.T. drastisch. Wir nehmen quasi rollenbedingt ein anderes Bewusstsein (mit andere Wesensformen / Wesenszügen) an, welches jeweils mit einem eigenen systemischen Wertegerüst (Grundnormen / Basiswerte) ausgestattet ist. Dies hat auch mit den entsprechenden Erwartungen an diese Rolle (Fremdbild / Selbstbild) zu tun.

  • Persönliche Situation (Selbst)
  • Familie
  • Soziale Gruppen (Firma, Freunde, etc.)
  • Nation und/oder Staatenbund
  • Eigene kulturelle Gemeinschaften (Religion, Kontinent, Kulturkreis etc.)
  • Ganze Gesellschaft (Menschheit)
  • Umwelt und Natur

So ist z.B. bemerkenswert, dass ein Mitarbeiter, der in eine Management-Funktion aufsteigt, fortan neue Werte zu leben und zu erreichen versucht und dabei seine Charakterzüge verändert - nicht immer zum Gefallen seiner ehemaligen Kollegen bzw. neuen "Untergebenen".

Kulturelle Wertesysteme

Jede Kultur hat ihr Wertesystem. Und innerhalb von Kulturen gibt es Subsysteme, die gerne als Tugenden bezeichnet werden, welche teilweise miteinander konkurrieren oder sich ergänzen.

So sind z.B. die "preußischen" Werte (Tugenden) Fleiß, Disziplin, Treue, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Teamgeist zu nennen, während uns Platon sog. Primärtugenden hinterlassen hat: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit.

Und innerhalb jeder Kultur gibt es Subkulturen, die andersartige Ausprägungen oder Interpretationen von Wertvorstellungen leben.

Werte in Unternehmen

Innerhalb von Unternehmen (Firmen, Gesellschaften, Behörden) gibt es unterschiedliche Bewertungen von Werten - je nach Stellung und Position. Daraus resultieren Erwartungen und Wertvorstellungen, die implizierenden Charakter aufweisen. Es werden quasi Forderungen in das Unternehmen hinein, bzw.an die anderen Hierarchieebenen gestellt. Damit verbunden sind auch grundlegende Erwartungen (Grundmotive), die eine Plattform für Enttäuschungen oder Geringschätzung bieten.

  1. EGO (Einzelperson, Einzelcharakter, Einzelschicksal, Einzelbedürfnis)
  2. TEAM (Abteilung, Arbeitsgruppe, Projektteam, Interessens-Gemeinschaft, Freundschaft, Hobbyteiler, Leidensgemeinschaft, Flurfunktalkerrunde, Geschlechter, Rauchercommunity)
  3. MANAGEMENT (Geschäftsleitung, Vorstand, Abteilungsleiter, Projektleiter, Geschäftsleitungs-Assistenz)
  4. INHABER (Unternehmer, Gesellschafter, Aktionär, Fondsmanager, Vermögensverwalter)

Die Gewichtung von Werten

Je nach den erlittenen Verlusten und kulturellen Vorgaben verändern sich die Werte des Einzelnen und einer Gruppe. Wertvorstellungen resultieren aus Idealen, aber auch aus Mangelerscheinungen. Wenn etwas fehlt, das hohe Lebensqualität verhindert, dann wird es wertvoll. So hatte z.B. in Zeiten der Pest die „Gesundheit“ den größten Stellenwert und innerhalb des DDR-Regimes dürfte es „Freiheit“ gewesen sein.

Persönliches Wertesystem

Jeder Mensch besitzt ein eigenes Konstrukt aus Wertvorstellungen: Das, was uns wichtig ist, was wir bereit sind zu geben, was wir einfordern und vor allem auch das, was uns durch unsere Erziehung beigebracht wurde.

Die meisten Menschen machen sich über die eigenen Wertvorstellungen nur unzureichende Gedanken, insbesondere bei der wohlformulierten Interaktion mit anderen Menschen und Gruppen. Dabei ist es – insbesondere in Bezug auf Integrität – enorm wichtig, zu wissen, welche Werte man "lebt" bzw. fokussiert.

In kollektiven Systemen ist es daher ratsam, regelmäßig nach diesen persönlichen Werten jedes Einzelnen zu fragen und darüber zu diskutieren. Dadurch können Erwartungen wahrgenommen und in Prozessen, Positionierungen und Förderungen (auch Forderungen) berücksichtigt werden.

Geben oder nehmen?

Wenn Menschen davon sprechen, was ihnen besonders wichtig ist, gilt es zu unterscheiden, welche der beiden nachfolgenden Gründe für die jeweilige Wahl des Wertes ausschlaggebend sind. Ein Wert kann für eine Person wichtig sein, um

  1. diesen selbst zu leben und zu "spenden" (innere Motivation nach außen gerichtet) oder,
  2. um diesen einzufordern, ohne sich selbst dazu zu verpflichten (verlangte externe Motivation).

Das birgt natürlich Problempotentiale in diesbezüglicher Kommunikation und sollte in jedem Fall analysiert und angesprochen werden. Also den wirklichen Grund bewusst machen und thematisieren.

Mensch oder Maschine?

Nicht nur Menschen haben - bzw. erzeugen - Werte, sondern auch programmierte Maschinen. Mittlerweile sind Maschinen auch in den Bereich der bisher vom Menschen vorbehaltenen subjektiven Messbarkeit eingedrungen, da eine absolute Trennung dieser beiden "Geschöpfe" nicht immer möglich ist.

Maschinen sind ausführende Mechanismen, die den Willen und die Motive - dadurch auch Werte und Wertvorstellungen - des Menschen umsetzen.

wird fortgesetzt ...

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"Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu schmieden."

Konfuzius

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Aktuelle Info:

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